Zwei Tage der Solidarität mit Cuba (mit Fotos)

Zwei Tage der Solidarität mit Cuba
Am Rande des Evangelischen Kirchentag (EKT2025) in Hannover führte das Netzwerk Cuba am 2. und 3. Mai 2025 eine Veranstaltungsreihe im Kulturzentrum „Pavillon“ durch, die vielfältige Aspekte der Solidarität mit Cuba anschaulich beleuchtete, um eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen.
Den Auftakt machte die Botschafterin der Republik Cuba, Juana Martínez González im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Netzwerk Cuba, Dr. Edgar Göll, zum Thema „Menschenrechte und Cuba“. Diesmal war es in dem Sinne, dass durch die mehr als 64jährige Blockade und durch den Wirtschafts-krieg der USA die Menschenrechte des cubanischen Volks ganz grundlegend verletzt werden. Die Botschafterin schilderte ungeschönt die äußerst schwierige Situation des Landes, insbesondere aber auch die Bemühungen von Regierung und Staat zur Verbesserung der Energiesituation und der landwirtschaftlichen Produktion, um die Vitalität der cubanischen Wirtschaft wieder zu gewinnen. Die Einbindung in internationale Organisationen wie BRICS und auch regionale lateinamerikanische Bündnisse unterstützen diese Prozesse ebenso wie die freundschaftliche Unterstützung einiger Staaten. Unzweifelhaft haben sich die Lebensbedingungen in Cuba v.a. seit der Pandemie erheblich verschlechtert, auch durch eigene Fehler. Trotzdem werden die Errungenschaften wie ein kostenloses Bildungs- und Gesundheitswesen aufrechterhalten. Für ein gewisses Staunen hierzulande sorgt die Beibehaltung eines breiten kulturellen Lebens in dieser Krisensituation. Auch die Weiterentwicklung des Rechtssystems wird vorangetrieben. So wurde nach der Verfassung von 2019 und dem ausge-sprochen fortschrittlichen Familiengesetzbuch von 2022 ein neues Strafgesetz verabschiedet, das wegen der Haltung des Volkes immer noch die Todesstrafe für besonders schwerwiegende Delikte beinhaltet, allerdings mit der Tendenz der Institutionen, diese nicht anzuwenden.
Die Menschenrechte in Cuba sind garantiert, auch die Religionsfreiheit – Religiosität ist Bestandteil der cubanischen Nationalität. Rund 60 % der Bevölkerung verstehen sich als katholisch, wenn auch
meist ohne entsprechende Praxis, während afrikanische Religionen im Volk lebendig sind, und auch evangelische Gemeinden ihren Platz in der Gesellschaft haben.
Die ständigen Versuche von Eingriffen der USA in die cubanische Gesellschaft wurden berichtet und verurteilt. Die Attacken finden keinerlei Anklang, sondern vehement Kritik im überwiegenden Teil der Gesellschaft, wie gerade die überwältigenden Kundgebungen in Havanna und anderen cubanischen Städten zeigen, die mit einer klaren politischen Aussage zum 1. Mai stattfanden.

Edgar Göll, Miguel Enrique Torres Tesoro, Juana Martínez González, Dayana Rodríguez Gutiérrez
Die zweite Runde mit dem Thema „Religionen und Kirchen in Cuba“ brachte eine lebendige Diskus-sion der Referenten mit sich: Frau Barbara Neubert, Evangelische Kirche Deutschland/Berliner Missionswerk, Pastor Reile Marrero Ruíz aus Santa Clara/Cuba und José Conde Masdiaz, langjährig in Deutschland lebender Pastor und Vertreter von Estella de Cuba – Verein der hier lebenden Cuba-ner:innen. Zunächst wurden von Conde die verschiedenen religiösen Quellen und Strömungen in Cuba erläutert. Dann beleuchtete er die Geschichte der Beziehungen zwischen religiösen Vereinigun-gen und dem revolutionären Staat. Sie war anfangs geprägt von Konflikten aufgrund von realen Geschehnissen wie z.B. der Aktion „Peter Pan“, in deren Rahmen zahllose Kinder mit aktiver Beteili-gung des Klerus in die USA verbracht wurden. Aber auch Fehlinformationen prägten früher den Diskurs. Heute ist das religiöse Leben in Cuba vielfältig und lebendig, ein Schmelztiegel traditioneller und neuer spiritueller Formen, es geht ja um fundamentale Fragen des Seins.
Nach der spanischen Kolonisierung und Missionierung und des Synkretismus (Vermischung europä-ischer und afrikanischer Glaubensformen) kamen seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch Reformierte Kirchen nach Cuba, die zunächst wegen ihrer engen Verbindung zu den USA mit Misstrauen betrachtet wurden.
Seit den 1980er Jahren fand ein Annäherungsprozess zwischen Staat und Religionsgemeinschaften statt und Päpste besuchten mehrfach Cuba. 1992 wurde die Verfassung geändert: Cuba bezeichnete sich nach der Revolution zunächst als atheistisch, mit etlichen Folgen in der Gesellschaft, seit 1992 ist es ein säkularer Staat. Es existiert ein ökumenischer Kirchenrat, religiöse Rituale, Feste, Praktiken werden öffentlich zelebriert, Glauben kann gelebt werden. Der cubanische Staat beruht auf einer Werteorientierung, die den Werten des Christentums gar nicht so fremd ist, und auf deren Grund-lage eine Kommunikation und Kooperation möglich ist.
Frau Neubert thematisierte den Inhalt von Religionsfreiheit und fragte beispielsweise: beinhaltet diese auch die Finanzierung des Kirchentages auch aus Steuermitteln? Könnte Religionsunterricht Teil des Schulunterrichts sein, wären konfessionelle Kindergärten und Schulen sinnvoll? Dies alles sei als Beitrag zu guter Bildung und für eine Wertebildung in der Gesellschaft zu verstehen. Der cubanische Pastor bestätigte das Vorhandensein von Glaubensfreiheit auch nach außen, benannte aber auch die Grenzen: konfessionelle Kindergärten und Schulen seien nicht möglich. Die Kirchengemeinden übernehmen soziale Aufgaben in ihrem Umfeld, ohne Beschränkung auf ihre Gemeindemitglieder. Gerade in diesen krisenhaften Zeiten, in denen die Regierung die Versorgung prekär lebender Personengruppen nicht mehr ganz garantieren kann. Dabei kämpfen sie als Gemeinde mit manchen Beschränkungen, z.B. bei der Nutzung von Gebäuden oder dem nicht möglichen Kauf eines Fahrzeugs. Gegenwärtig wird in Cuba ein Gesetz für Vereinigungen (Ley de Asociaciones) diskutiert, von dem sie sich einen neuen und breiteren Rechtsrahmen im Hinblick auf eine solidarische Gesellschaft erhoffen. Es existiert in Matanzas eine theologische ökumenische Ausbildungsstätte, deren Zertifikate in Europa anerkannt werden, in Cuba aber nicht. Ein weiterer Wunsch wäre auch ein Zugang zu den allgemeinen Medien. Hierzu wurde angemerkt, dass die Trennung von Staat und Kirche auch in anderen Staaten (z.B. Frankreich) existiere.
Das cubanische Büro für religiöse Angelegenheiten verzeichnet gegenwärtig rund 8.850 religiöse Vereinigungen. Darunter seien auch evangelikale, fundamentalistische, die keine Probleme mit Präsident Trump haben. Allerdings sind diese oft abgeschlossen, fragmentiert und sektiererisch. Dies wäre womöglich ein Kriterium für formale staatliche Unterstützung: beziehen sie sich ausschließlich auf ihre Gemeindemitglieder oder sind sie offen für das Volk? Ein Religionsstreit findet in Cuba offensichtlich nicht statt.
Die reformierten Gemeinden „haben die Füße auf dem Boden“, leben mit dem Volk, führen z.B. Projekte der Wasserversorgung und in der Landwirtschaft durch und stellen Frühstücks- oder Mittagstische zur Verfügung. Die Nachfrage dazu ist groß, denn für sie sind die Auswirkungen des Wirtschaftskriegs der USA eine schlimme Realität. Die Finanzierung ihrer Arbeit erfolgt auch aus dem Ausland wie Deutschland oder auch den USA. Da sie die Blockade nicht beeinflussen können, ist ihr Grundgedanke: was können wir selbst tun für die Menschen?

Markus, Reile Marrero Ruíz, Barbara Neubert, José Conde Masdiaz
Die dritte Veranstaltung an diesem Tag beschäftigte sich mit Demokratie und Zivilgesellschaft in Cuba. Ausgehend von dem, was nach westlichem Verständnis Demokratie ausmacht: Wahlen, Mehr-parteiensystem, Gewaltenteilung, universalen Menschenrechten haben wir näher hingeschaut, wie Demokratie und Partizipation unter Bedingungen von mehr als 60 Jahren US-Blockade, Sanktionen und Subversion funktionieren, was Cuba anders macht. Angelika Becker, Vorstandsmitglied im Netz-werk Cuba und Mitstreiterin bei Cuba sí und Freundschaftsgesellschaft BRD-Cuba, berichtete von dem intensiven Prozess der Formulierung einer neuen Verfassung, die 2019 durch ein Referendum mit hoher Beteiligung und Zustimmung angenommen wurde – 73,3 % aller Wahlberechtigten haben ihr zugestimmt. Sie beinhaltet im Artikel 1 die Bestimmung eines „sozialistischen Rechtsstaats … organisiert von Allen und für das Wohlergehen von Allen“. In Artikel 5 ist die Rolle der Kommunis-tischen Partei Cubas festgelegt (der einzigen zugelassenen Partei), deren Aufgabe es ist, die patriotische Einheit der Cubaner zu bewahren und zu stärken und die ethischen, moralischen und bürgerlichen Werte zu entwickeln. Dies geht zurück auf die Erfahrungen des cubanischen Volkes bei der Befreiung von den Spaniern Ende des 19. Jahrhunderts und von der Herrschaft der USA durch die Revolution. Die nationale Unabhängigkeit konnte also nur durch die Einheit des Volkes gewonnen werden. Natürlich stellt sich dann die Frage, wie sich die Führerschaft der Kommunistischen Partei realisiert und welchen Stellenwert Wahlen dann haben. Es ist eine Persönlichkeitswahl von Kandidaten zur Nationalversammlung, die zur Hälfte in ihrem Wahlkreis aufgestellt werden, wo sie bekannt sind. Die andere Hälfte wird von den Massenorganisationen vorgeschlagen, um so eine Abbildung der Zusammensetzung des Volkes zu erreichen. Um gewählt zu werden, ist eine Mehrheit von 50 % der Stimmen erforderlich, es handelt sich also um ein konsequentes Mehrheitswahlrecht. Die aktuelle Nationalversammlung hat einen Frauenanteil von 55,3 % und ein Durchschnittsalter von 46 Jahren, 64 % sind neu in diesem Gremium, der Generationswechsel ist also im Gange.
Dieses Prinzip wiederholt sich auf allen Ebenen, ausgehend vom municipio – der Gemeinde über die Provinzräte und die Gouverneure bis hin zur Nationalversammlung und dem Staatsrat (zwischen deren Sitzungen). An der Spitze steht der Staatspräsident, der nicht nur repräsentative Aufgaben hat und der gleichzeitig der 1. Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei ist. Fidel Castro war bekannt für seine ständigen Reisen im Land und seine unmittelbare Verbindung zum Volk. Heute reisen der Präsident und die Regierung regelmäßig durch die Provinzen. Ein politischer Schwerpunkt liegt auf der lokalen Entwicklung, wobei die Selbstorganisation unterstützt wird. Die Jugend und ihre Organisationen werden mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut.
Die Einhaltung der Menschenrechte und zwar nicht nur der bürgerlichen Rechte ist durch die Verfassung geboten, einige davon wurden näher beleuchtet: das Recht auf Arbeit (gibt es bei uns nicht), die Informationsfreiheit und die Pressefreiheit. Private Kommunikationsmedien sind nicht zugelassen, weil sie erfahrungsgemäß nur dem Eigen- und Profitinteresse dienen und gegen linke Politik agieren. Die Reisefreiheit ist garantiert: jede/r hat das Recht, das Land auch zu verlassen, aber nur wenige Länder sind wegen ihrer Abschottung und restriktiven Visavergabe erreichbar. Auch die Versammlungsfreiheit ist gewährleistet, wenn sie mit Rücksicht auf die öffentliche Ordnung ausgeübt wird (wie bei uns in der BRD).
Anders als bei uns werden die ökonomischen Grundlagen in der Verfassung festgelegt, was durchaus mit Partizipation und Menschenrechten zu tun hat:
- Eigentum des Volkes an den grundlegenden Produktionsmitteln, Planwirtschaft und Regulierung des Marktes
- Die Arbeiter nehmen an den Prozessen der Planung, Regulierung, Unternehmensführung und Kontrolle teil (Art. 20).
- Die Eigentumsformen (Art. 22) werden anerkannt: das sozialistische Volkseigentum (staatlich), Genossenschaften, das Eigentum der politischen, sozialen und Massenorganisationen, privates Eigentum als komplementäres Element der Wirtschaft, Joint Venture, gemeinnützige Organisationen. Sie arbeiten unter gleichen Bedingungen.
- Der Boden (Art. 23) bleibt sozialistisches Eigentum des Volkes, nur Nießbrauch, auch die Infrastruktur (Art. 24), die wichtigsten Industrien sind in staatlichem Eigentum.
- Das staatliche sozialistische Unternehmen ist das wichtigste wirtschaftlich Subjekt mit Autonomie in Verwaltung und Leitung, es erfüllt seine soziale Verantwortung.
- Die Arbeit ist ein vorrangiger Wert der Gesellschaft. Sie ist ein Recht, eine soziale Pflicht, und ein ehrenhaftes Motiv aller arbeitsfähigen Personen. Das Arbeitsentgelt muss die Hauptquelle der Einkünfte sein für ein würdiges Leben… Art. 31.
Hierzulande meint man mit Zivilgesellschaft in Cuba immer nur die sog. Dissidenten. Dabei umfasst die cubanische Zivilgesellschaft ein ganz breites Spektrum von Massenorganisationen, Studenten- und Berufsverbänden und Vereinigungen zum wissenschaftlichen und künstlerischen Austausch sowie Studienzentren, Religionsvereinigungen und Sportverbände, die sehr lebendig die Gesellschaft Cubas mitgestalten.
Viele dieser Informationen über diese lebendige direkte Demokratie und Partizipation sind bei uns wenig bekannt.
Am zweiten Tag, dem 3. Mai, wurde zunächst ein interreligiöses Projekt: Quisicuaba von zwei Mitstreitern der HCH – Humanitäre Cuba Hilfe e.V. vorgestellt: von der in Deutschland lebenden Cubanerin Marite Díaz und von Giv von Körber, langjähriger Begleiter des Projekts. Sie zeigten ein sehr anschauliches Video und ein kurzes Interview mit dem Leiter des Projektes, Dr. Enrique Alemán. Zur näheren Information: https://www.hch-ev.de/projekte/quisicuaba/quisicuaba.html
Das Projekt ist schon in den 1930er Jahren in Centro Havanna in einem Viertel entstanden, das überwiegend von Schwarzen bewohnt war, es lag damals am Rande der Stadt. Es zeichnete sich schon damals durch Religiosität und Selbstorganisation aus. In den 90er Jahren wurde die Arbeit zur Unterstützung des in der Spezialperiode entstehenden Prekariat intensiviert, zur Versorgung, Bekämpfung von Hunger und Obdachlosigkeit. Es geht dabei auch heute noch um Nachbarschaftshilfe, Hilfe zur Selbsthilfe im Sinne von Nächstenliebe in Berufung auf José Martí. Die Arbeit wird durch Spenden auch aus dem solidarischen Ausland in enger Zusammenarbeit mit den staatlichen und städtischen Behörden finanziert.
Heute werden täglich 4000 Essen ausgegeben, und es gibt rund 30 weitere Projekte. Eines davon ist ein großes landwirtschaftliches Vorhaben außerhalb von Havanna, bei dem eine ehemalige große Internatsschule wieder nutzbar gemacht wird für das assistierte Leben von Obdachlosen und leicht straffällig gewordenen Gefangenen. Es dient zunächst zur Selbstversorgung, aber auch zur Belieferung des Projektes in Havanna. Die Arbeit lebt von der Beteiligung von Ehrenamtlichen, oft selbst von Armut und Einsamkeit betroffenen Menschen. Sie haben eine gute Logistik aufgebaut und können Spenden zuverlässig, schnell und nachverfolgbar verteilen. Gerade in der gegenwärtigen Krise Cubas kann die Arbeit von Quisicuaba nicht hoch genug geschätzt werden, die auf Nächsten-liebe und Humanität beruht. Sie berührt menschlich tief.
In der folgenden Veranstaltung wurden moderiert von Marianne Schweinesbein, Mitglied im Vor-stand des Netzwerk Cuba und der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba, einige Solidaritätsorgani-sationen vorgestellt: Cuba sí, vertreten von Anke Schneider, Braunschweig, EcoMujer, vertreten von der Vorsitzenden Monika Schierenberg, Düsseldorf, und InterRed, vertreten von Lothar Reiniger, Frankfurt/Main. Alle Drei hatten Bilder oder Präsentationen mitgebracht, die ihre ganz unter-schiedlichen Ansätze der Solidarität mit Cuba verdeutlichten, aber auch ihr persönliches langjähriges Engagement.
Cuba sí ist eine Arbeitsgemeinschaft der Partei „Die Linke“, die sich nach der Vereinigung Deutsch-lands gründete, als Verträge zwischen Cuba und der DDR plötzlich nicht mehr eingehalten wurden. Hier war der Ursprung von vier Landwirtschaftsprojekten in verschiedenen Regionen Cubas (Pinar del Río, Mayabeque, Sancti Spíritus und Guantánamo), die gemäß der cubanischen Prioritäten mit großen Spendensummen unterstützt werden. Dabei geht es nicht nur um die Gewährleistung und Erhöhung der Milchproduktion und Diversifizierung, sondern auch um die Verbesserung der Lebensbedingungen in der Region. Das schließt die Förderung von kulturellen Projekten und in den letzten Jahren verstärkt die Verbesserung der medizinischen Versorgung ein. Jedes Jahr werden Brigaden in die Projekte organisiert, die ein intensives Kennenlernen der cubanischen Gesellschaft ermöglichen.
Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch die politische Solidarität, d.h. die Information über die Realität in Cuba, die Festigung des Internationalismus und der Solidarität mit Cuba in der Partei und den Fraktionen in den Parlamenten einschließlich des Europa-Parlaments. Infos: https://cuba-si.org/
EcoMujer ist ein Frauenumweltprojekt, das lokal und international vernetzt arbeitet und solidarische Lebensformen zum Ziel hat. Seit vielen Jahren arbeiten sie in Pinar del Río mit Frauen zusammen, ein Austausch auf Augenhöhe, unterstützt von Institutionen vor Ort. Es sind konkrete kleine Projekte, z.B. das Anlegen von Schulgärten, aber auch zur Fortbildung zu ökologischen Fragen wie Agraröko-logie, urbane Landwirtschaft, Permakultur, Kräuter und Heilpflanzen. EcoMujer beteiligt sich immer an Aktivitäten in Deutschland wie z.B. dem Umweltfestival in Berlin, Kinotagen und Veranstaltungen in ihrer Region.
Monika stellte auch kurz die Entwicklung der Situation der Frauen in Cuba dar: vor der Revolution waren sie überwiegend tätig als Hausangestellte und Prostituierte, mit der Revolution kam das Recht auf Abtreibung und eine Politik zur Förderung der Frauen bis hin zum sehr modernen Familiengesetz-buch von 2022. Eine ökologische Politik wurde schon von Fidel Castro sehr früh angestoßen, heute ist die Landwirtschaft überwiegend biologisch und die umfassende Klimastrategie Tarea Vida – die „Aufgabe Leben“ – durchdringt die ganze Gesellschaft. Informationen: https://www.ecomujer.org
InterRed ist eine gemeinnützige Solidaritäts-Initiative zur Unterstützung von Cuba, die heute den Schwerpunkt darauf setzt, die Stromproduktion durch Solarenergie zu steigern. In de Projekten werden auf Dächern des medizintechnologischen Instituts CIM sowie CIGB Sonnen-Kollektoren installiert, bezahlt aus Spenden. Die Initiative ist 1992 entstanden und hat zunächst kleine Wasserkraftwerke mit Technik unterstützt, später dann Biogasanlagen in ländlichen Regionen für Familien oder Kantinen. Auch eine Rollstuhlwerkstatt in Havanna und ein Krankenhaus wurden mit Sachspenden unterstützt.
Das neuste Projekt ist die Versorgung der ELAM – Lateinamerikanische Medizinische Hochschule – mit Solaranlagen. Mit all diesen Projekten wird den Cubanern der Kauf von Öl und der Umwelt den Ausstoß von CO2 erspart. Dafür werden gegenwärtig wieder Spenden gesammelt, die zu 100 % für Cuba investiert werden können. Cuba ist gegenwärtig noch zu rund 90% von fossilen Brennstoffen abhängig, das staatliche Ziel ist anspruchsvoll, davon weg zu kommen. Dabei erweisen sich Solaranlagen als kostengünstig, da kaum Unterhaltungskosten entstehen.

Monika Schierenberg, Marianne Schweinesbein, Anke Schneider, Lothar Reiniger
Der Weg zu einem Projekt: Cuba schlägt einige wichtige große Firmen bzw. Institutionen vor, der Verein prüft die technische Machbarkeit. Dann werden Kostenvoranschläge bei Unternehmen mit internationaler Expertise eingeholt, und die Entscheidung wird in Cuba getroffen. Die Wartung liegt in qualifizierten cubanischen Händen. Eine Speicherung der Energie ist nicht notwendig wegen der Einspeisung in die Anlage oder sogar in das öffentliche Netz. Informationen: www.InterRed-org.de
Damit wurde eine ganze Bandbreite solidarischer Unterstützung für Cuba dargestellt. Eine weitere wichtige Möglichkeit wurde erwähnt: Reisen nach Cuba in allen Formen, da der Tourismus weiterhin eine der wichtigsten Einkommensquellen darstellt, All-Inclusive, Individual- und fachspezifische Reisen, Brigaden von Solidaritätsorganisationen und dem ICAP – Cubanisches Institut für Völker-freundschaft…
Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe des Netzwerks Cuba stellte sich ein junges Projekt vor, das an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde entstanden ist: „Seeds of Friendship“. Gezeigt wurde ein sehr gutes Video, das den bilateralen Austausch mit Studierenden der Universität Sancti Spíritus in Cuba im Bereich Landwirtschaft während eines Studienaufenthalts 2023 dort festhielt. Victoria Peistrup und Nikolei Scharsich berichteten engagiert und begeistert von ihren Erfahrungen zum Thema Ernährungssouveränität und urbane Gemüseproduktion, Agrarökologie, Herausforderungen und Lösungsansätze in Cuba.Sie stellten auch ihr neues Projekt vor: sie haben einen Verein gegründet, einen alten Seecontainer gekauft, den sie aufarbeiten wollen, um ihn mit „Starterkits“ auszurüsten für 1. Werkzeug und Material, 2. Verarbeitung und Verkauf und 3. für die Kühlung. Ein Prototyp wird in Eberswalde entwickelt, ein „ConPónico“ zur Nutzung vom gegenseiti-gen Wissenstransfer, also von einander lernen… Sie haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet (und erlebten die US-Blockade live: das Wort Cuba durfte beim Antrag nirgends auftauchen). Auch eine Fortsetzung der Hochschulzusammenarbeit ist schon auf dem Wege. Hier kann man auch den Film sehen: https://seedsoffriendship.org/
Zusammenfassend: Es waren sehr reiche Tage der Cubasolidarität mit vielen Facetten, denen man ein noch breiteres Publikum gewünscht hätte. Auch der Raum war sehr informativ gestaltet. Uns hat es Spaß gemacht, und wir sind gerne bereit, zu vermitteln, wenn vor Ort solche Veranstaltungen durchgeführt werden sollen.
Angelika Becker