Kuba weist US-Kritik an Brigaden zurück
Washington wirft Havanna wegen internationaler medizinischer Hilfseinsätze »Menschenhandel« vor
Havannas Außenminister Bruno Rodríguez hat am Sonnabend in scharfer Form auf neue Angriffe der US-Regierung gegen die Auslandseinsätze kubanischer Ärzte reagiert. In dem zwei Tage zuvor veröffentlichten Jahresbericht des US-Außenministeriums zum Menschenhandel wird die Inselrepublik in der untersten Kategorie eingestuft. Die internationale medizinische Zusammenarbeit im Rahmen von Kooperationsabkommen mit Drittländern bezeichnet Washington als »Praxis der Zwangsarbeit«. Mit diesem erneuten »verlogenen« Vorstoß wolle die Trump-Regierung ihre aggressive Politik gegen Kuba und ihre »krankhafte Verfolgung der medizinischen Kooperationen« rechtfertigen, erklärte der Diplomat. Rodríguez verwies darauf, dass Washington zunehmend Druck auf andere Länder ausübe, die medizinische Zusammenarbeit mit Kuba einzustellen, »ungeachtet der Folgen für die Bevölkerung, die von der Präsenz kubanischer Ärzte profitiert«.
In den vergangenen Monaten hatten unter anderem Honduras, Guatemala, Jamaika, Antigua und Barbuda, die Bahamas, Grenada, Guyana sowie Trinidad und Tobago ihre Verträge mit Kuba ausgesetzt oder deren Bedingungen geändert. Auch in anderen Ländern sowie in der italienischen Region Kalabrien drängen US-Diplomaten darauf, die Einsätze zu beenden. Mehrere Regierungen, darunter in Uruguay und Mexiko, haben das Programm jedoch beibehalten. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte, es biete lebenswichtige Leistungen für unterversorgte Menschen und sei eine große Hilfe.
Jamaikas Gesundheitsminister Christopher Tufton hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass seine Regierung erneut 157 kubanische Mediziner eingestellt habe, wodurch sich die Zahl der Gesundheitsfachkräfte von der benachbarten Karibikinsel auf 200 erhöht habe. »Das System braucht sie«, sagte er. Das neu ausgehandelte Abkommen sieht individuelle Direktverträge vor – im Gegensatz zu der früheren Regelung, bei der ein Teil der Zahlungen direkt an das kubanische Gesundheitssystem überwiesen wurde. Ähnliche Vereinbarungen, mit denen die Anschuldigungen im aktuellen Bericht des US-Außenministeriums entkräftet werden, bestehen bereits mit Uruguay und Kalabrien.
Nach Angaben des kubanischen Statistikamtes (ONEI) machten Dienstleistungen in anderen Ländern zwischen 2018 und 2020 mehr als 40 Prozent der gesamten Auslandsumsätze der Republik aus. Im Falle der internationalen medizinischen Einsätze wurden die Einnahmen von Havanna zur Finanzierung von Verbrauchsmaterialien, Geräten und Technologie für das nationale öffentliche Gesundheitssystem verwendet, einem der Sektoren, die am stärksten von der Ölblockade und den zusätzlichen Sanktionen betroffen sind, die die US-Regierung seit Anfang 2026 gegen Kuba verhängt hat.