Mietenhalbierung zuerst
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Am 26. September 1960 hielt Fidel Castro vor der UN-Vollversammlung in New York eine historische Rede. Ein Auszug
Die revolutionäre Regierung unternimmt erste Schritte. Als erstes verringert sie die Mieten für die Familien um 50 Prozent; eine sehr gerechte Maßnahme, denn wie wir schon sagten, gab es Familien, die bis zu einem Drittel ihres Einkommens zahlten. Die Bevölkerung war Opfer einer großen Wohnungsspekulation. Städtische Grundstücke waren ebenfalls Gegenstand großer Spekulationen auf Kosten der Bevölkerung. Als die revolutionäre Regierung die Mieten um 50 Prozent senkte, gab es Unzufriedene, jawohl, einige wenige, nämlich die Besitzer jener Wohngebäude. Aber die Bevölkerung ging auf die Straße, um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen. Das Gleiche würde hier in New York auch passieren, wenn man die Miete für alle Familien um 50 Prozent senken würde. Bis dahin gab es kein Problem mit den Monopolen. Einige US-amerikanische Gesellschaften besaßen große Gebäude, aber relativ wenige.
Danach folgte das nächste Gesetz, das die Konzessionen annullierte, die die tyrannische Regierung von Fulgencio Batista der Telefongesellschaft, einem nordamerikanischen Monopol, gewährt hatte. (…) Hier beginnt der erste Konflikt mit US-amerikanischen Monopolen.
Die dritte Maßnahme bestand darin, die Strompreise zu senken, die weltweit die höchsten waren. Hier entstand der zweite Konflikt mit US-amerikanischen Monopolen. Man stellte uns nun als Kommunisten dar; man begann, uns nun rot anzustreichen, weil wir ganz einfach mit den Interessen der nordamerikanischen Monopole zusammenstießen.
Dann kam das vierte Gesetz, das unabdingbar war, unvermeidlich war, unvermeidlich für unser Vaterland, und unvermeidlich, früher oder später, für alle Völker der Erde … zumindest für alle Völker der Erde, die noch kein solches Gesetz haben: Das Gesetz der Agrarreform. Sicher ist, dass alle Welt theoretisch mit dem Agrargesetz einverstanden ist. Niemand traut sich, das zu verneinen; niemand, höchstens ein Ignorant, traut sich zu verneinen, dass die Agrarreform in den unterentwickelten Ländern der Welt eine wesentliche Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung ist. In Kuba waren sogar die Großgrundbesitzer mit der Agrarreform einverstanden, allerdings mit einer Agrarreform auf ihre Art und Weise, einer Agrarreform, die von vielen Theoretikern verteidigt wird: einer Agrarreform auf ihre Art und Weise und vor allem eine, die weder auf ihre Art und Weise und auch in keiner anderen Form tatsächlich durchgeführt wird, solange das verhindert werden kann! Das wird auch von den Wirtschaftsorganen der Vereinten Nationen anerkannt, das ist etwas, worüber niemand mehr diskutiert. In unserem Land war sie unvermeidlich: Mehr als 200.000 Bauernfamilien existierten in unserer Heimat ohne Ackerland, auf dem sie die notwendigsten Nahrungsmittel anbauen konnten.
Ohne Agrarreform hätte unser Land nicht den ersten Schritt zur Entwicklung tun können. (…) War sie radikal? Ja, es war eine radikale Agrarreform. War sie sehr radikal? Nein, es war keine sehr radikale Agrarreform. Wir machten eine Agrarreform, angepasst an die Bedürfnisse unserer Entwicklung, angepasst an unsere Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Entwicklung. Das heißt, eine Agrarreform, die das Problem der landlosen Bauern lösen sollte, die das Problem der Versorgung mit den unabdingbaren Nahrungsmitteln, die das große Problem der Arbeitslosigkeit auf dem Lande lösen sollte, die jenes schreckliche Elend beenden sollte, das wir auf dem Land unserer Heimat vorfanden.
Nun, hier begann die erste tatsächliche Schwierigkeit. In der benachbarten Republik Guatemala war das Gleiche geschehen. Als man die Agrarreform in Guatemala durchführte, begannen die Probleme in Guatemala. Ich mache die Delegierten Lateinamerikas, Afrikas und Asiens in aller Bescheidenheit darauf aufmerksam, wenn sie eine gerechte Agrarreform machen wollten, seien Sie darauf vorbereitet, ähnlichen Problemen wie wir gegenüberzustehen, vor allem dann, wenn sich die besseren und größeren Landgüter im Besitz US-amerikanischer Monopole befinden, wie es in Kuba der Fall war. (Langer Applaus)
Es ist möglich, dass sie uns demnächst anklagen, dass wir in dieser Versammlung schlechte Ratschläge geben, was mit Sicherheit nicht unsere Absicht ist: Es ist nicht unsere Absicht, jemandem um den Schlaf zu bringen. Wir stellen ganz einfach nur die Tatsachen dar, allerdings sind diese Tatsachen von der Art, jedermann den Schlaf zu rauben.
Es wurde umgehend das Thema der Bezahlung angesprochen. Da kamen zahlreiche Verbalnoten des Außenministeriums der USA. Niemals haben sie uns nach unseren Problemen gefragt; nie, nicht einmal aus Erbarmen oder aufgrund ihrer großen Verantwortung fragten sie uns, wie viele Menschen in unserem Land Hungers starben, wie viele Tuberkulosekranke es gab, wie viele Menschen ohne Arbeit waren. Nein. Ein Gefühl der Solidarität mit unseren Bedürfnissen? Niemals. Alle Gespräche mit Vertretern der Regierung der Vereinigten Staaten drehten sich um die Telefongesellschaft, um die Elektrokompanie und um die Ländereien US-amerikanischer Unternehmen.