Kuba steht noch
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Trumps Regierung behauptet, die sozialistische Inselrepublik sei ein »gefallener« Staat. Doch das unter Blockade und Sanktionen stehende Land leistet noch immer Widerstand


Im Januar überfielen die USA Venezuela und entführten Präsident Nicolás Maduro und seine Ehefrau, die Abgeordnete Cilia Flores. Langsam fühlt es sich so an, als wäre es schon Jahre her. Die Militäroperation – ein hinterhältiger Schlag, der in den frühen Morgenstunden ausgeführt wurde, während die »Verhandlungen« zwischen den beiden Ländern offiziell noch im Gange waren – dauerte nur wenige Stunden. Zweiunddreißig Kubaner wurden zu Märtyrern, als sie in einem ungleichen Kampf gegen die Angreifer fielen, bei der Verteidigung Maduros. Während venezolanische Piloten scheinbar nicht den Befehl erhalten hatten abzuheben, hielten die kubanischen Soldaten die Stellung bis zum Ende.
Und auch wenn sie es nicht zugeben wollten, hat dieser Vorfall die Machthaber in Washington beeindruckt, die solche Kriegsausgänge gewöhnlich aus einer Entfernung von Tausenden von Kilometern in ihren Bunkern beobachten. Als der derzeitige »Kaiser« Donald Trump die Widerstandsfähigkeit der Kubaner mit eigenen Augen sah, konnte er sich in einem anschließenden Interview nicht zurückhalten und erklärte, die Kubaner seien »sehr zäh, sie sind gute Soldaten«.
Der Monarch und sein Hofstaat aus Narren gingen jedoch davon aus, dass die Widerstandsfähigkeit des gesamten kubanischen Volkes nicht mit diesen Soldaten mithalten könne. Ohne Venezuela als Verbündeten und mit einer verschärften Blockade, waren sie fest davon überzeugt, dass Kuba sehr bald kollabieren würde. Neun Monate später steht Kuba immer noch.
Die Rhetorik und das Handeln des US-Imperialismus gegenüber der sozialistischen Inselrepublik könnten widersprüchlicher nicht sein. Am 22. September brandmarkte Donald Trump Kuba vor der UN-Generalversammlung als »gescheiterten Staat« und bestätigte unverblümt, dass seine Regierung einen »Regimewechsel« auf der Insel anstrebt. Nur vier Tage später milderte er jedoch seinen Ton und versicherte, dass die Vereinigten Staaten und Kuba zu einer Einigung gelangen würden. »Eine militärische Operation wird wahrscheinlich nicht notwendig sein«, erklärte er.
Marco Rubio – der verlogene und unterwürfige imperiale Außenminister und Lieblingsopfer jener Miami-Szene, die durch Trumps Prahlerei aufgeheizt wurde und eine US-Invasion fordert – wurde in der Folge mit Kritik überschüttet. Vielleicht versuchte er deshalb am 30. September in einem Interview mit Fox News sich als »harter Kerl« zu präsentieren. Zu diesem kritischen Thema befragt, antwortete er: »Die Wahrheit ist, dass Kuba bereits gefallen ist«; und bezeichnete das Land als »in jeder Hinsicht gescheiterten Staat« ohne funktionierende Wirtschaft, der von Menschen geführt wird, die immer noch an eine »tote Revolution« glauben.
Der Widerspruch liegt also in all den Bemühungen, die weiterhin unternommen werden, damit das Kuba, das »bereits gefallen« ist, endgültig fällt, um diese »tote Revolution« zu töten. Wenige Stunden nach den triumphalen Erklärungen von Rubio traten neue Maßnahmen der US-Kontrollbehörde für Auslandsvermögen in Kraft. Indirekte Finanztransaktionen mit »sanktionierten kubanischen Einrichtungen« wurden verboten, und die Lizenz, die es US-Banken ermöglichte, Konten im Namen kubanischer Privatunternehmer zu eröffnen und zu führen, widerrufen. Man will nicht einmal »Kapitalisten«, die in irgendeiner Weise zur Wirtschaftstätigkeit des Landes beitragen könnten.
Damit bricht die leichtfertige These zusammen, dass die Blockade »nur die grausame Diktatur trifft«. Zu allem Überfluss haben sie zudem eine Vorabgenehmigung für kulturelle und akademische Austauschreisen von US-Bürgern eingeführt. Will heißen: Niemand soll unter irgendwelchen Umständen einreisen; es soll keine Möglichkeit geben, dem Land Luft zum Atmen zu verschaffen. Alle müssen unter der Belagerung leiden, denn im Leiden verbirgt sich die einzige (und düstere) Hoffnung des Aggressors.
Es bleibt auch nicht alles nur bei bloßen Erklärungen. Am 2. Oktober gab die US-Küstenwache bekannt, dass sie in der Karibik das Schiff »Grace« abgefangen habe, das angeblich Treibstoff nach Kuba transportierte. Rubio und Trump wiederholen sich zigtausendmal, wenn es darum geht, die kubanische Regierung für die aktuelle Krise verantwortlich zu machen; und verhängen parallel dazu eine totale Blockade – eine unverschleierte Kriegshandlung.
Aber Kuba gibt immer noch nicht nach. Kuba ist nicht gefallen. Und wenn Sie mir diesen triumphalistischen Satz gestatten: Kuba wird nicht fallen.