USA greifen Devisenquelle Kubas an
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Washington will Havannas Ärztemissionen unterbinden
Zuletzt haben die Vereinigten Staaten den Druck auf Kuba maximal erhöht und faktisch eine Ölblockade gegen das Land verhängt. Die Entsendung von Ärzten und medizinischem Personal in die ganze Welt ist für Kuba eine bedeutende Deviseneinnahmequelle. Von Einnahmen bis zu sechs Milliarden US-Dollar jährlich ist die Rede. Das Vorgehen gegen die kubanischen Ärztebrigaden im Ausland ist Teil der Politik der Strangulierung Kubas durch Washington. Das US-Außenministerium spricht in diesem Zusammenhang von »Zwangsarbeit« und »Menschenhandel«.
Lukrativer Export medizinischer Dienstleistungen
Die kubanischen Mediziner waren im März 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, von der damaligen italienischen Regierung von Ministerpräsident Guiseppe Conte als Nothilfe für die überlasteten Kliniken ins Land geholt worden – zu einer Zeit, als Deutschland etwa seine Grenzen für Reisende aus Italien schloss. Vor allem für das Gesundheitssystem im wirtschaftlich schwachen Süden Italiens wurde daraus bald eine strukturelle Hilfe. Italien ist das einzige Land der EU, das mit Havanna einen Vertrag über den Einsatz von Ärzten geschlossen hat.
Kuba entsendet Mediziner ins Ausland und lässt sich die medizinischen Dienstleistungen bezahlen. Einen Teil des Geldes behält die kubanische Regierung, den anderen erhalten die Mediziner. Laut der italienischen Zeitung »Il Manifesto« sah das erste Abkommen zwischen Kuba und Kalabrien vor, dass die italienische Region der staatlichen kubanischen Vermittlungsagentur 3200 Euro pro Monat für jeden Mediziner zahlt, davon 1200 Euro direkt an die Ärzte. Vorherige Ausschreibungen zur Einstellung ausländischer Ärzte in der Region hätten nicht das erwartete Ergebnis gebracht, so »Il Manifesto«. »Kein italienischer oder europäischer Arzt hat sich beworben, nachdem er die ungünstigen Vertragsangebote und die wenig akzeptablen Arbeitsbedingungen zur Kenntnis genommen hatte.«
»Ich habe Hammer gesagt, dass die kubanischen Ärzte, die dafür sorgen, dass die Krankenhäuser und Notaufnahmen in Kalabrien geöffnet bleiben, für unsere Region nach wie vor unverzichtbar sind.«
Roberto Occhiuto Regionalpräsident Kalabriens
Bis zum vergangenen Jahr hatte Kuba laut der Nachrichtenagentur AFP rund 24 000 Ärzte in 56 Ländern weltweit im Einsatz. Doch der Druck Washingtons zeigt Wirkung. Erst vor wenigen Tagen kündigte Honduras den Abzug der 128 kubanischen Ärzte aus dem Land an. Zuvor hatte die Regierung des Ende Januar ins Präsidentenamt gelangten Trump-Fans Nasry Asfura beschlossen, das Abkommen mit Kuba nicht zu verlängern. Auch Guatemala lässt die vor 27 Jahren nach Hurrikan Mitch begonnene kubanische Ärztemission im Land mit 412 kubanischen Medizinern auslaufen, ebenso Antigua und Barbuda. Länder wie Bahamas oder Grenada haben im vergangenen Jahr die Vertragsbedingungen modifiziert.
Trump nimmt seit 2018 Ärztemissionen ins Visier
In Donald Trumps erster Amtszeit beendeten bereits Brasilien (2018), Bolivien (2019), Ecuador (2019) und El Salvador (2020) die kubanischen Ärztemissionen in ihrem Land. Und die in Venezuela steht nach der Entführung von Präsident Nicolás Maduros durch die USA ebenfalls auf der Kippe. Derzeit fließt kein Geld mehr von Caracas nach Havanna. In Afrika hingegen empfangen Länder wie Angola und Südafrika weiterhin kubanische Ärzte, und im Nahen Osten hat Katar Vereinbarungen mit Kuba erneuert.
Die jamaikanische Regierung wiederum erklärte Mitte Februar, dass ihr medizinisches Kooperationsprogramm mit Kuba »weiterhin in Kraft bleibt«, obwohl das Abkommen derzeit unter dem Druck der USA neu verhandelt wird. Rund 300 kubanische Ärzte sind in Jamaika tätig. Die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen zwischen beiden Ländern besteht seit mehr als fünf Jahrzehnten und ist ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Gesundheitssystems Jamaikas.
Kuba steht nicht allein gegen die USA
Beim Gipfel der karibischen Gemeinschaft (CARICOM) in Basseterre, Saint Kitts and Nevis, in der vergangenen Woche, an dem auch US-Außenminister Marco Rubio teilnahm, war denn auch Jamaikas Premierminister Andrew Holness einer der nachdrücklichen Unterstützer Kubas. »Kuba ist unser karibischer Nachbar. Seine Ärzte und Lehrer haben in unserer gesamten Region gedient«, sagte er. »Es muss klar sein, dass eine anhaltende Krise in Kuba nicht auf Kuba beschränkt bleiben wird. Sie wird sich auf die Migration, die Sicherheit und die wirtschaftliche Stabilität im gesamten Karibikraum auswirken.«
In Kalabrien scheint der Druck der US-Regierung ebenfalls auf Widerstand zu stoßen. Regionalpräsident Roberto Occhiuto, stellvertretender Parteichef der rechten Forza Italia, die zu Giorgia Melonis Regierungskoalition gehört, bekräftigte die Absicht seiner Regierung, nicht auf das aus Kuba stammende Personal in den Krankenhäusern zu verzichten. Seine oberste Priorität sei es, das Recht auf medizinische Versorgung der kalabrischen Bürger zu gewährleisten. »Ich habe Hammer gesagt, dass die kubanischen Ärzte, die dafür sorgen, dass die Krankenhäuser und Notaufnahmen in Kalabrien geöffnet bleiben, für unsere Region nach wie vor unverzichtbar sind.«