Tourismus trotz US-Blockade: Kuba wirbt in Berlin um Vertrauen
Treibstoffmangel, längere Flugzeiten und weniger Verbindungen setzen Kubas Tourismus unter Druck. Auf der ITB sucht Havanna Unterstützung.

Die Reisemesse ITB Berlin ist am Donnerstag zu Ende gegangen. Kuba nutzte den Branchentreff der internationalen Tourismusbranche, um bestehende Geschäftsbeziehungen zu sichern und neue wirtschaftliche Verbindungen zu pflegen.
Der Tourismussektor ist die wichtigste Devisenquelle des Landes, steht jedoch wegen Flugproblemen und Treibstoffmangel unter Druck. Havanna macht dafür vor allem die Politik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump verantwortlich. Die Berliner Zeitung sprach darüber mit Lessner Gómez Molina, Direktor im kubanischen Ministerium für Tourismus.
Herr Gómez Molina, Flugverbindungen zwischen Kuba und Europa sind derzeit kompliziert. Wie sind Sie nach Berlin gekommen?
Diese Wintersaison sollte eigentlich eine der besten für den Tourismus werden. Dann begann die Blockade von Treibstofflieferungen durch die Regierung der Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump. Nicht alle Menschen in den USA und nicht alle in der Regierung unterstützen diese Politik, aber der Präsident verfolgt sie. Treibstoff ist entscheidend für den Flugverkehr. Davon hängt der gesamte touristische Betrieb ab. Als diese Blockade begann, traf sie die Fluggesellschaften, die nach Kuba fliegen. Einige europäische Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen dennoch aufrechterhalten. Sie mussten aber zusätzliche Zwischenstopps einlegen – zum Beispiel in der Dominikanischen Republik, in Mexiko oder in Panama. Das bedeutet zusätzliche Kosten für die Airlines.
Das bedeutet also mehrere zusätzliche Stunden Reisezeit?
Ja. Für uns war es genauso. Wir sind von Havanna in die Dominikanische Republik geflogen, etwa eine Stunde Flugzeit, und mussten dort noch einmal ungefähr eine Stunde warten. Für Reisende verlängert sich die Flugzeit entsprechend.
Trotzdem sind die europäischen Fluggesellschaften geblieben. Sie haben ihre Operationen aufrechterhalten, obwohl sie zusätzliche Kosten tragen müssen. Genau deshalb kommen wir auf diese Messe: um ihnen zu danken, weil sie Kuba weiterhin unterstützen.
Welche Bedeutung hat die ITB Berlin für Kuba? Wie besorgt sind deutsche Touristikanbieter?
Viele Gesprächspartner fragen derzeit vor allem nach der Treibstoffversorgung. Sie wollen wissen, wann sich die Situation stabilisiert und wann die Fluggesellschaften wieder Vertrauen haben, nach Kuba zu fliegen.
Gibt es angesichts der wachsenden Armut in Kuba nicht auch mehr Probleme mit Kriminalität?
Kuba ist für Touristen weiter einer der sichersten Orte. Was wir in Kuba erleben, sind die Auswirkungen der wirtschaftlichen Blockade. Es gibt Schwierigkeiten für die Bevölkerung beim Zugang zu manchen Produkten oder Lebensmitteln. Aber gleichzeitig hat sich in Kuba viel verändert. Der private Sektor hat sich entwickelt. Ein Besucher kann heute in Kuba in ein privates Restaurant gehen oder auf einen privaten Markt. Dort findet er eine Qualität, die mit anderen Orten vergleichbar ist.
Die Direktverbindung von Cubana zwischen Deutschland und Kuba wurde ausgesetzt. Wann könnten diese Flüge wieder aufgenommen werden?
Wenn wir das Treibstoffproblem lösen. Cubana hat ebenfalls Schwierigkeiten, weil die Flugzeuge eine Zwischenlandung zum Auftanken brauchen. Einige Länder erlauben diese Zwischenstopps nicht oder stellen Bedingungen. Wenn sich die Situation normalisiert und die Nachfrage wieder steigt, kann Cubana wieder fliegen.
Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftssektor Kubas. Wie stark trifft der Rückgang der Besucherzahlen das Land und die Bevölkerung?
Der Tourismus ist die Lokomotive der kubanischen Wirtschaft. Deshalb versucht die Regierung der Vereinigten Staaten, diesen Sektor zu treffen. Der Tourismus ist Teil einer langen wirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Er schafft lokale Nachhaltigkeit für viele Gemeinden. Menschen aus einer Region arbeiten im Tourismus und verdienen dort ihren Lebensunterhalt.
Wenn die USA Maßnahmen gegen den Tourismus ergreifen, trifft das direkt die Bevölkerung. Besonders den privaten Sektor. Wovon lebt der private Sektor insbesondere? Vom internationalen Tourismus oder vom nationalen Tourismus. Der nationale Tourismus wiederum braucht Einkommen aus wirtschaftlicher Tätigkeit. Wenn der internationale Tourismus ausbleibt, geraten viele dieser Aktivitäten in Schwierigkeiten. Deshalb trifft die Blockade diesen Bereich besonders stark.
Der private Sektor braucht also mehr Freiheiten und weniger Bürokratie?
Ich denke, ja. Aber der private Sektor ist bereits sehr stark gewachsen. Es gibt viele private Unterkünfte und viele private Restaurants. Viele Reisegruppen aus Europa übernachten heute in Casas particulares oder essen in privaten Restaurants.
Präsident Miguel Díaz-Canel fordert seit Jahren eine schnellere Umsetzung von Reformen. Warum dauert das trotzdem so lange?
Reformen sind ein Prozess. Gesetze können beschlossen werden, doch ihre Umsetzung hängt oft von den Menschen ab, die sie anwenden. Manchmal wird ein Gesetz auf zentraler Ebene verabschiedet, aber seine praktische Umsetzung vor Ort braucht Zeit.
In den letzten Jahren wurden viele Maßnahmen beschlossen, um wirtschaftliche Aktivität zu fördern – besonders im Tourismussektor, in der lokalen Entwicklung und im nicht staatlichen Bereich.
Aber diese Forderung nach schnellerer Umsetzung hören die Kubaner doch schon seit vielen Jahren.
Ja, das stimmt. Wichtig ist, dass heute mehr Maßnahmen umgesetzt werden als früher und dass die wirtschaftliche Aktivität weiter angekurbelt wird.
Also liegt das Problem eher in der praktischen Umsetzung als in den politischen Entscheidungen?
Häufig geht es tatsächlich um die Umsetzung. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, unter welchen Bedingungen Kuba arbeitet. Das Land steht seit Jahrzehnten unter einem wirtschaftlichen Blockade-Regime der Vereinigten Staaten – einem bloqueo económico. Diese Maßnahmen erschweren viele wirtschaftliche Aktivitäten.
Welche Ziele haben Sie für die Zahl der Touristen in diesem Jahr?
Unsere ursprüngliche Prognose lag bei 2,2 Millionen Touristen in diesem Jahr. Aber im Moment glaube ich nicht, dass wir dieses Ziel erreichen können. Wenn diese Schwierigkeiten in der Nebensaison aufgetreten wären, hätten wir die Verluste möglicherweise später wieder ausgleichen können. Das Problem ist, dass die Beeinträchtigung in der Hochsaison des kubanischen Tourismus eingetreten ist. Deshalb ist die Auswirkung jetzt besonders groß.
Trotzdem möchte ich betonen: Wir arbeiten daran, dass die touristische Aktivität unseres Landes weiter funktioniert. Gleichzeitig möchten wir den Menschen in Deutschland und in Europa danken. Trotz allem, was in den Medien oder in sozialen Netzwerken über Kuba gesagt wird, reisen weiterhin viele Menschen zu uns. Viele sagen: Ich fahre nach Kuba, weil ich dort mein zweites Zuhause habe. Das ist eine wichtige Botschaft für uns. Wir arbeiten daran, Lösungen zu finden und diese schwierige Situation zu überwinden.
Viele Besucher hören von Stromausfällen, Treibstoffmangel und Internetproblemen. Wie wirkt sich das auf den Tourismus aus?
In den Hotels funktioniert das Internet. Auch wenn es Stromausfälle gibt, verfügen Hotels über Notstromversorgung. Die touristische Infrastruktur wird besonders geschützt, damit die Gäste möglichst wenig davon merken.
Das Internet funktioniert also auch während solcher Situationen?
Ja. Früher gab es Internet nur in Hotels und man musste dafür bezahlen. Heute ist Internet in Kuba deutlich verbreiteter. Besucher können SIM-Karten nutzen und mobile Daten. Selbst Ausflugsboote haben inzwischen Internetverbindungen. Die junge Generation reist heute anders. Sie möchte ihre Erfahrungen sofort in sozialen Netzwerken teilen. Auch dafür hat sich Kuba geöffnet.
Kanada ist traditionell der wichtigste Herkunftsmarkt für Kuba. Warum wurden dort viele Flüge gestrichen?
Auch hier spielt das Treibstoffproblem eine Rolle. Kanadische Fluggesellschaften müssten Zwischenstopps einlegen, um zu tanken. Einige Länder erlauben diese Zwischenstopps nicht. Außerdem sind die zusätzlichen Kosten für viele Airlines sehr hoch.
Trotzdem reisen viele Kanadier weiterhin nach Kuba. Einige fliegen über Drittstaaten, etwa über die USA oder Panama. Gleichzeitig steuern amerikanische Airlines weiterhin Kuba an, obwohl die US-Regierung die Blockadepolitik betreibt.
Viele Kubaner haben wegen fehlender Perspektiven das Land verlassen. Wie soll Kuba da vorankommen?
Die Menschen sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Kuba hat trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten viele Fortschritte gemacht. Zum Beispiel im Gesundheitswesen. Selbst unter den Bedingungen der Blockade hat Kuba Impfstoffe entwickelt. Wir haben medizinische Innovationen hervorgebracht und Behandlungen entwickelt, etwa gegen Lungenkrebs oder das diabetische Fußsyndrom.
Natürlich fehlen Ressourcen, weil die US-Blockade den Zugang zu vielen Materialien erschwert.
Die USA sind militärisch gegen Venezuela vorgegangen und haben den Iran angegriffen. US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio sprechen davon, Kuba zu „befreien“. Fürchtet Havanna ein ähnliches Szenario?
Wir beobachten die Situation aufmerksam. Aber ich würde nicht sagen, dass wir Angst haben. Kuba lebt seit mehr als 60 Jahren unter Druck und unter Bedrohungen. Deshalb ist das Land darauf vorbereitet. Das kubanische Volk ist darauf vorbereitet.
Was in Venezuela passiert ist, bedeutet nicht automatisch, dass dasselbe in Kuba passieren muss. Das sind unterschiedliche Länder und unterschiedliche Situationen.
Die Geschichte Kubas zeigt außerdem, dass das Land gelernt hat, seine Unabhängigkeit zu verteidigen. Seit 1868, seit dem Beginn der Unabhängigkeitskriege, hat das kubanische Volk immer wieder gegen äußere Einmischung gekämpft. Deshalb ist Kuba heute ein Land, das seine Souveränität verteidigen kann und darauf vorbereitet ist, jede Form von Intervention abzuwehren.
Das hängt davon ab, was jemand sucht. Wer Kultur erleben möchte, sollte nach Havanna gehen – wegen der Musik, des Tabaks, des Rums, der Geschichte und der Orte, die mit Hemingway verbunden sind.
Wer Entspannung sucht, kann nach Varadero oder auf die Cayos reisen. Für Natur empfehle ich den Osten Kubas. Mein persönlicher Lieblingsstrand ist Playa Pilar.



