Kuba: Vorbereitung auf den Ernstfall
Nach Ankunft der Solidaritätsflottille »Nuestra America«, mit der Hunderte Aktivisten aus 38 Ländern Hilfsgüter für die von Washingtons ökonomischem Würgegriff bedrohte Bevölkerung nach Kuba gebracht haben, waren am Wochenende in Havanna die Rufe »Ja zu Kuba – nein zur Blockade« zu hören. Besonders laut und engagiert klang es bei einem Solidaritätskonzert der irischen Rapgruppe Kneecap im Pabellón Cuba im Stadtteil Vedado. Unterstützt vom US-Rapper Vic Mensa wurde das für seine Solidarität mit dem Volk Palästinas bekannte Trio vom kubanischen und palästinensische Flaggen schwenkenden Publikum gefeiert.
Solidarität bestehe nicht nur aus humanitärer Hilfe, sondern »sie muss auch gesehen und gehört werden. Das ist sehr wichtig«, sagte Frontmann Mo Chara. Die Musiker stellten Parallelen zwischen Irlands Geschichte als erster britischer Kolonie und dem Widerstand Kubas gegen äußere Angriffe her. Der landesweite Stromausfall, den sie am Sonnabend erlebten, sei die kollektive Bestrafung eines ganzen Volkes, das seine Unabhängigkeit verteidige, erklärten sie.
Trotz fehlenden Treibstoffs und Mangels an Ersatzteilen gelang es den Reparatureinheiten bis zum Sonntag abend, das Stromnetz im gesamten Land wiederherzustellen. Doch obwohl das System nun wieder vollständig vernetzt sei, bleibe der Mangel an Brennstoffen bestehen, der durch die von der US-Regierung verhängte Energieblockade noch verschärft werde, warnte der Minister für Energie und Bergbau, Vicente de la O Levy, auf der Onlineplattform X.
Da Washington die totale Ölblockade sowie Drohungen trotz der Gespräche zwischen den Regierungen beider Länder, die Präsident Miguel Díaz-Canel am 13. März öffentlich machte, aufrechterhält, bereitet sich Kuba auf den Ernstfall vor. Zwar hatte der Chef des Südkommandos der US-Streitkräfte, Francis Donovan, behauptet, dass es derzeit »keine Pläne zur Einnahme der Insel« gebe, doch derartigen US-Dementis traut Havanna nicht. Laut Kubas stellvertretendem Außenminister Carlos Fernández de Cossío bereitet sich das kubanische Militär auf eine mögliche militärische Aggression der USA vor. »Tatsächlich wappnen sich unsere Streitkräfte in diesen Tagen« für eventuelle Angriffe, sagte er am Sonntag in der Sendung »Meet the Press« des US-Fernsehsenders NBC News.
Am Freitag erhielt zudem Silvio Rodríguez eine Kalaschnikow vom kubanischen Verteidigungsministerium in einer öffentlichen Zeremonie überreicht. Der international bekannte Liedermacher hatte als Reaktion auf Donald Trumps Drohung, die Insel zu »übernehmen«, in seinem Blog »Segunda Cita« gefordert: »Wenn sie angreifen, will ich ein AKM-Sturmgewehr. Das meine ich vollkommen ernst.«