Bericht, Resolution und Grußwort von der Mitgliederversammlung des Netzwerk Cuba vom 22.3.25 in Hannover
Foto: Andreas Nolte
Für diese Mitgliederversammlung erhielten wir ein schriftliches Grußwort des ICAP-Präsidenten Fernando González Llort (siehe unten, auch in spanisch), in dem er uns auf die schwierigen aktuellen Herausforderungen Cubas hinwies und sich für unsere bisherige Solidarität bedankte.
Verlesen und zur Diskussion gestellt wurde dann ein Kurzbericht über die Vorstandsaktivitäten seit der letzten Jahreshauptversammlung. Er umfasste 18 ausgewählte Punkte, und mehrere von ihnen werden auch in den kommenden Monaten weiter fortgeführt. Dazu gehören die Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen, Verbreitung von Pressemitteilungen, dem NCN-Newsletter und anderen Materialien, sowie die Organisierung von Aktivitäten in der Unblock Cuba Kampagne.
Der zentrale TOP war den Schilderungen aus den Mitgliedsgruppen und dem Erfahrungsaustausch gewidmet. Dabei wurde die Bandbreite an Themen und Aktivitäten deutlich, zugleich aber auch der hohe Alterdurchschnitt in vielen Gruppen, aber auch die Mitwirkung einiger jüngerer Leute, die meist auch mit Schwung und Ideen einsteigen. Erwähnt wurde zudem die mit dem enormen Mitgliederzuwachs der Partei Die Linke zusammenhängende Chance verbunden mit der Aufgabe, diese jungen Menschen mit Cuba und Anti-Imperialismus vertraut zu machen.
Zu den nächsten Aufgaben und Arbeiten gehören die Kontaktpflege zu Politiker:innen in Bundes- und Landtagen sowie der EU; die Verbreitung und Mobilisierung für den 19. April, dem Jahrestag des Sieges des revolutionären Cuba gegen die militärischen US-Invasionskräfte in Playa Girón; die finale Vorbereitung der sechs Veranstaltungen, die wir an zwei Tagen des ev. Kirchentages in Hannover am 2. und 3. Mai durchführen werden, um auch Menschen jenseits unserer Szene über Cuba zu informieren.
Schließlich gibt es mit demselben Ziel die Idee, eine „Versammlung“ mit Gruppen und Organisationen aus anderen Gesellschaftsbereichen zu organisieren, um Cuba-Solidarität bekannter zu machen und spürbar zu stärken und zu verbreiten (z.B. Gewerkschaften, Kirchen, NGOs, Studierendengruppen u.v.a.m.).
Die Botschafterin Cubas, I.E. Juana Martínez González erläuterte dann einige akute Entwicklungen, die gegen Cuba durch die Trump-Regierung durchgeführt wurden und die Lage im Land zusätzlich verschlechtern.
Schließlich wurde der Finanzbericht vorgestellt und als stabil bezeichnet; und hinsichtlich der Notwendigkeit, finanzielle Mittel für Cuba zu akquirieren, wurde als Positivbeispiel von einer hohen Zuwendung aus einem Testament berichtet.
Am Schluß wurde noch einstimmig eine Resolution verabschiedet (siehe unten).
Hinweise auf die direkt folgende öffentliche Veranstaltung mit der Botschafterin sowie den am folgenden Tag vorgesehenen Medien-Workshop („Instagram“) rundeten die sehr konstruktiv verlaufene MV ab.
Grußwort des Präsidenten des ICAP (Cubanisches Institut für Völkerfreundschaft):

In spanisch: Mensaje a la NETZWERK
Resolution:

„Es reicht nicht aus, ein Arsenal von Ideen und Wahrheiten
als Tempel zu verteidigen. Es ist wichtig, sie intelligent,
wirksam und konsequent einzusetzen.“
(Miguel Mario Díaz-Canel Bermúdez)
Resolution der Mitgliederversammlung
des Netzwerk Cuba am 22. März 2025 in Hannover
Die Regierung und die Bevölkerung Cubas haben ein extrem hartes Jahr hinter sich, die miserable Versorgungslage, Mobilitätseinschränkungen und Stromabschaltungen verursachen einen äußerst anstrengenden und überlastenden Alltag. Und nun begann in Washington eine Regierung ihr Business, die wieder „maximalen Druck“ gegen Cuba ausübt. Alle kleinen und viel zu spät von Vorgänger Joe Biden vorgesehenen Zurücknahmen von verbrecherischen Blockade- und Zwangsmaßnahmen wurden von Trump umgehend annulliert. Zusätzlich hat er verboten, dass der cubanische Finanzdienstleister ORBIT Remittentenüberweisungen aus den USA entgegennehmen darf. Allein durch diese willkürliche Maßnahme wird die Wirtschaftskraft Cubas gigantisch geschwächt: es bedeutet einen Einbruch des BIP Cubas um 26%! Das ist eine weitere mörderische Eskalation des sowieso laufenden Wirtschaftskrieges der imperialistischen Militärmacht gegen das Nachbarland Cuba.
Ein weiterer rücksichtsloser, völkerrechtswidriger und menschenrechtsverletzender Akt ist die Ankündigung von Trump, 30.000 illegale Migrant:innen, „die Schlimmsten der Schlimmen“ aus den USA nach Cuba in ein Internierungslager im vom US-Militär illegal besetzte Hafengebiet Guantánamo zu verbringen! Dort sollen neben dem berüchtigten Gefangenenlager umfangreiche neue Lager entstehen., Die überfällige Freigabe des gestohlenen Hafengebiets ist noch weniger wahrscheinlich als zuvor. Zudem schafft eine riesige Zahl an Internierten zusätzliche Risiken für Cuba.
Diese neuen und alten Verbrechen der USA können und müssen wir aufgrund der medialen Aufmerksamkeit auf Trump noch deutlicher und konkreter anprangern. Unsere Aufgabe sollte es sein, die damit zusammenhängenden Verletzungen der Menschenwürde und die rücksichtslosen Verletzungen der Souveränität anderer Staaten und Völker offensiv in die Öffentlichkeit zu bringen und vehement anzufechten. Dies dürfte nun erfolgversprechender sein, weil Trumps unverschämte Forderungen zu Kanada, Grönland, Panama und sogar Gaza immer mehr Menschen verdeutlichen, wes Ungeistes Kind Trump und seine Meute sind, und wie Imperialismus rücksichtslos Opfer produziert.
Dagegen die heroische und selbstbewusste Haltung und die aufrechte Kultur Cubas: Cuba pflegt derzeit seine Kontakte in Asien, mobilisiert immer wieder Unterstützung in der UN und anderen internationalen Gremien und Netzwerken, genießt große internationale Reputation und ist weltweit gut verbunden. Es ist nun Mitglied (Kandidatenstatus) des BRICS-Bündnisses und Mitglied im UN-Menschenrechtsrat. Cuba hat eine immense Widerstandskraft, lässt sich in seinem Kurs nicht beirren. Allerdings wird es ganz vehement in seiner selbstgewählten Entwicklung gestört und blockiert, und das US-Vorgehen des „Teile und herrsche“ wird ins Extreme getrieben. Konkret wendet Trump vier Taktiken an:
- Verwirrspiel: Seit seiner Zeit als Immobilientycoon glaubt Trump, dass sich Verhandlungspartner oder Gegner durch eine Mischung aus widersprüchlichen Aussagen, Drohungen und starken Sprüchen irritieren und einschüchtern lassen.
- Wilde Rache: Wer nicht für Trump ist, der ist sein Feind. Wer sich gegen ihn wendet, wird voller Rachsucht verfolgt und attackiert. So will Trump mögliche Nachahmer abschrecken.
- Gezielte Demütigung: Ähnlich wie in seinem Unternehmen erwartet Trump nun auch als Präsident von Ministern, Parteifreunden und Mitarbeitern hundertprozentige Loyalität und Unterordnung.
- Intensive Propaganda: Das Weiße Haus produziert endlose Mengen an Videobildern und Fotostrecken für Social Media, in denen Trump als gütiger, erfolgreicher und geliebter Anführer erscheint.
Es zeichnet sich ab, dass dieses Vorgehen des „großen Freundes“ in BRD und EU einerseits zu noch mehr Duckmäusertum/Unterwerfung führen könnte, vielleicht aber auch zu einer etwas mehr eigenständigen Haltung. Dies könnte mehr Verständnis für Cuba und zumindest Unverständnis gegen die US-Administration bedeuten. Unsere Anstrengungen sind wichtiger denn je:
- einzeln im persönlichen Umfeld,
- mit unseren Gruppen,
- gemeinsam im Netzwerk Cuba,
- zusammen mit anderen lokalen Aktiven in Friedensbewegung, Gewerkschaften, Globalisierungskritikern, Frauenbewegung, Umweltbewegung, Parteien, sozialen Bewegungen etc.
- auch mit Soliorganisationen im europäischen Ausland und den USA (auch als Netzwerk Cuba sind wir da aktiv).
Darum geht es:
- Cuba in die Ostermärsche und den 1. Mai einbringen!
- Die materielle und finanzielle Solidarität verstärken.
- Auch Reisen nach Cuba sind eine direkte Unterstützung und ermöglichen eigene Erfahrungen.
Gegenseitige Unterstützung dabei zu organisieren dafür haben wir das Netzwerk Cuba geknüpft!
Wir regen alle Gruppen und Aktivist:innen angesichts der extrem schwierigen und sogar gefährlichen Lage in und um Cuba an, Aktionen und Veranstaltungen in Vielfalt und effektvoll durchzuführen. Es muss in nächster Zeit vor allem gelingen, Umgehungsmöglichkeiten der Blockade zu erreichen und auszubauen.
Unsere Informationen und Forderungen müssen in die Medien getragen werden, müssen die Öffentlichkeit und vor allem Entscheidungsträger erreichen. Gehen wir auf die relevanten Leute zu.
Viva Cuba Socialista! Viva la Solidaridad!