Chile gedenkt Allendes
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Marsch zieht durch Santiago. Rechte lehnt Regierungsbekenntnis ab
Von Volker Hermsdorf

Chile erinnert in diesen Tagen daran, wie von den USA unterstützte Faschisten vor 50 Jahren mit Panzern und Bomben die Hoffnung auf eine Alternative zum kapitalistischen Gesellschaftsmodell zerstörten. Der 11. September 1973 markiert den Beginn einer langen Diktatur, zu deren Opfern nach offiziellen Angaben über 3.000 Verschwundene und Tote, mehr als 40.000 Gefangene und Gefolterte, sowie 200.000 ins Exil geflohene Chilenen zählen.
Zum Gedenken an sie schlossen sich am Sonntag (Ortszeit) Tausende einem »Marsch für Menschenrechte und Erinnerung« durch das Zentrum von Santiago de Chile an, zu dem unter anderem Organisationen der Opferangehörigen aufgerufen hatte. An der Spitze demonstrierten der sozialdemokratische Präsident Gabriel Boric, der spanische Richter Baltasar Garzón, der 1998 einen Haftbefehl gegen Diktator Augusto Pinochet ausgestellt hatte, sowie Abgeordnete der Regierungsparteien. »Der Zusammenbruch der chilenischen Demokratie mit seinen enormen Folgen von Tod und Zerstörung prägt uns bis heute«, erklärte Boric laut der spanischen Agentur Efe am Rande des Marsches, der zum Denkmal für die Verhafteten und Verschwundenen auf dem Generalfriedhof der Hauptstadt führte. Für Montag kündigte Boric die Verabschiedung einer »Santiago-Verpflichtung« zur Verteidigung der Menschenrechte an und lud dazu mehrere Staats- und Regierungschefs in den Präsidentenpalast »La Moneda« ein. Dort hatte sich der sozialistische Präsident Salvador Allende vor 50 Jahren das Leben genommen, als Putschisten das Gebäude stürmten.
Während die Rechtsparteien Renovación Nacional, Unión Democrática Independiente und Evópoli selbst dieses Lippenbekenntnis zu Demokratie und Menschenrechten ablehnen, gab es auch aus dem linken Spektrum Kritik an den »Krokodilstränen« zum 50. Jahrestag des Putsches. »Um jeden Preis wollen sie uns vergessen lassen, dass Allende in erster Linie ein Revolutionär war. Dass der Hauptkampf seines ganzen Lebens gegen den Kapitalismus gerichtet war und er aus einer marxistischen Position heraus an den Klassenkampf glaubte«, kritisierte der ukrainisch-chilenische Journalist Oleg Yasinsky (Jassinskij) am Montag auf RT. Gegen jugendliche Demonstranten, die an diese Ursachen des Putsches erinnern wollten, seien Spezialeinheiten der Carabineros nach gewalttätigen Zusammenstößen erneut mit Wasserwerfern und Tränengas vorgegangen, berichtete Telesur.
Auch in Deutschland, das vielen Chilenen – in Ost wie West –Zuflucht bot, wird an das historische Ereignis erinnert. So wollten sich am Montag Demonstranten vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor versammeln; in Hamburg wurde schon in der vergangenen Woche eine Veranstaltungsreihe zum Thema organisiert.