Wer hat Interesse am Krieg?
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Am 26. September 1960 hielt Fidel Castro vor der UN-Vollversammlung eine historische Rede. Ein Auszug
Worin liegen die Schwierigkeiten bei der Abrüstung? Wer hat ein Interesse daran, bewaffnet zu sein? Diejenigen, die ein Interesse daran haben, bis an die Zähne bewaffnet zu sein, sind dieselben, die die Kolonien aufrechterhalten wollen, die ihre Monopole erhalten wollen, die das Erdöl aus dem Mittleren Osten in der Hand behalten wollen, die Naturvorkommen in Lateinamerika, Asien und Afrika; und um das zu verteidigen, brauchen sie die Streitkraft. Und Sie wissen sehr gut, dass durch das Recht des Stärkeren diese Territorien besetzt und besiedelt wurden; durch das Recht des Stärkeren Millionen von Menschen versklavt wurden. Es ist diese Kraft, die die Ausbeutung in der Welt aufrechterhält. Denn die ersten, die ein Interesse daran haben, dass es nicht zur Abrüstung kommt, sind die, die diese Macht, die Kontrolle über die Naturvorkommen und die Reichtümer der Völker und die billigen Arbeitskräfte der unterentwickelten Länder behalten wollen. (…)
Feinde der Abrüstung sind auch die Monopole, denn außer, dass die Waffen ihre Interessen verteidigen, war das Wettrüsten schon immer ein großes Geschäft für die Monopole. Es ist ja zum Beispiel bekannt, dass die großen Monopole in diesem Land ihr Kapital aufgrund des Zweiten Weltkrieges verdoppelt haben. Wie die Raben ernähren sich die Monopole von den Kadavern, die die Kriege mit sich bringen. Der Krieg ist ein Geschäft. Man muss die entlarven, die mit dem Krieg handeln, die sich am Krieg bereichern. Man muss der Welt die Augen öffnen und ihr zeigen, wer diejenigen sind, die mit dem Schicksal der Menschheit handeln, die mit der Kriegsgefahr handeln, vor allem dann, wenn der Krieg so grauenvoll ist, dass es keine Hoffnung auf Befreiung gibt, darauf, sich und die Welt zu retten. (…)
Die Regierung der Vereinigten Staaten vergisst die Millionen Juden, die in den Konzentrationslagern Europas durch die Nazis, die heute ihren Einfluss in der deutschen Armee wiedererlangen, ermordet wurden. Sie vergisst die Franzosen, die in ihrem heroischen Kampf gegen die Besetzung ermordet wurden. Sie vergisst die nordamerikanischen Soldaten, die an der Siegfried-Linie, an der Ruhr oder am Rhein oder an den Fronten Asiens starben. Sie kann nicht mit der Integrität und der Souveränität der Völker leben. Warum nicht? Sie hält es für notwendig, die Souveränität der Völker zu beschneiden, um ihre Militärbasen zu erhalten, denn jede Basis ist ein Dolchstoß gegen die Souveränität, jede Basis bedeutet eingeschränkte Souveränität. (…)
Bei vielen US-Amerikanern, bei den humansten der Schriftsteller (…) sehe ich den Edelmut der ersten Staatsoberhäupter dieses Landes vor mir: bei Männern wie Washington, Jefferson und Lincoln. Das sage ich ohne Demagogie, mit der ehrlichen Bewunderung, die wir für jene fühlen, die einst ihr Land aus der Kolonie zu befreien wussten und kämpften, nicht damit ihr Land heute mit allen Reaktionären der Welt, mit allen Gangstern der Welt, mit allen Großgrundbesitzern, allen Monopolen, Ausbeutern, Militaristen und Faschisten verbündet sei. (…)
Zum Schluss lege ich in Erfüllung dessen, was wir unter unserer Pflicht verstehen, dieser Vollversammlung den wichtigsten Beitrag, die Deklaration von Havanna, ans Herz. (…)
»Die Nationale Generalversammlung des Volkes von Kuba verurteilt die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und die Ausbeutung der unterentwickelten Länder durch das imperialistische Finanzkapital. Infolge dessen proklamiert die Nationale Generalversammlung des Volkes von Kuba vor Amerika und ebenso hier vor aller Welt: das Recht der Bauern auf Land; das Recht der Arbeiter auf die Früchte ihrer Arbeit; das Recht der Kinder auf Bildung; das Recht der Kranken auf medizinische und Krankenhausbetreuung; das Recht der Jugendlichen auf Arbeit; das Recht der Studenten auf freies, experimentelles und wissenschaftliches Studium; das Recht der Schwarzen und Indianer auf die volle Menschenwürde; das Recht der Frau auf bürgerliche, soziale und politische Gleichberechtigung; das Recht der alten Menschen auf ein gesichertes Alter; das Recht der Intellektuellen, Künstler und Wissenschaftler, mit ihren Werken für eine bessere Welt zu kämpfen; das Recht der Staaten auf die Verstaatlichung der imperialistischen Monopole, um so die nationalen Reichtümer und Ressourcen zurückzugewinnen; das Recht der Länder auf freien Handel mit allen Völkern der Welt; das Recht der Nationen auf ihre volle Souveränität; das Recht der Völker, ihre Militärfestungen in Schulen zu verwandeln und ihre Arbeiter zu bewaffnen – in dem Punkt müssen wir allerdings mobil machen, müssen unser Volk bewaffnen, um uns gegen die imperialistischen Angriffe zu verteidigen, die Bauern, die Studenten, die Intellektuellen, die Schwarzen, die Indianer, die Frauen, die Jugendlichen, die Alten, alle Unterdrückten und Ausgebeuteten, damit sie für sich selbst ihre Rechte und ihr Schicksal verteidigen.«
Einige wollten wissen, welche die Leitlinie der revolutionären Regierung Kubas ist. Nun, das ist unsere Leitlinie!