US-Flaggen überall
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Trump postet eine Karte, auf der Nord- und Mittelamerika zu den USA gehören – auch Kuba
In einem seiner jüngsten digitalen Ausbrüche veröffentlichte der amtierende Herrscher des US-Imperiums auf seiner Plattform »Truth Social« eine Karte, auf der sich die US-Flagge über ganz Nordamerika, die Karibik, Grönland und weite Teile Mittelamerikas erstreckt. Seine Ambitionen bezüglich Grönland sind bekannt. In einem weiteren Wutanfall veröffentlichte er ein Meme, das ihn neben einem Pinguin mit der US-Flagge zeigt – obwohl es in Grönland keine Pinguine gibt. Ebenso vertraut wird Trump auch mit der Fauna, Geographie und Kultur der anderen Staaten sein, die er zum »Wohlergehen des Planeten« verschlingen will.
Doch die expansionistischen Träume Donald Trumps reichen nicht nur gen Norden: Die von ihm erträumten Grenzen erstrecken sich im Süden über Mexiko bis nach Zentralamerika, nach Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras und Nicaragua. Das stillschweigende Einverständnis des salvadorianischen Möchtegerndiktators Nayib Bukele würde nicht überraschen. Doch die Mexikaner wie auch die Menschen in Kanada und Grönland finden diese Trump’sche Farce alles andere als amüsant. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum entgegnete: »Mexiko ist keine Kolonie und auch kein Protektorat und wird es auch nie sein.«
Die einzige Nation, die kürzlich gegen eine Resolution der Vereinten Nationen stimmte, die die Weltkarte aktualisieren und eine realistischere Darstellung der Größe der Staaten geben sollte, waren ausgerechnet die Vereinigten Staaten. Afrika ist etwa bedeutend größer, als es die üblichen Karten wiedergeben, die USA und Europa hingegen deutlich kleiner. Der Herrscher des Imperiums will nicht nur Land: Er will eine Karte, die ihm die Welt so zeigt, wie er sie gerne hätte. Daher überrascht es nicht, dass Trump beschlossen hat, den Golf von Mexiko in Golf von Amerika umzubenennen – dieselbe Zuschreibung, die er nun, in einem Akt besonderer Originalität, dem berühmten Ontariosee an der Grenze zwischen Kanada und den USA geben will. Und all das mit der unterwürfigen Zustimmung von Techgiganten wie Google.
Es scheint, als sei Trump, genau wie Elon Musk, unzufrieden mit dem Planeten Erde. Auf »Truth Social«, dem digitalen Archiv all seiner verrückten Ideen, veröffentlichte er die hypothetische Uniform einer US-Weltraumstreitmacht – Trump träumt wohl von der militärischen Expansion des US-Imperiums in die Galaxis. Falls Sie dies mit John Williams’ Musik im Ohr und dem Bild von Darth Vader vor Augen lesen, keine Sorge: George Lucas selbst hat zugegeben, dass seine Inspiration für das böse Imperium in seinen Filmen die Vereinigten Staaten selbst waren.
Kuba verdient besondere Erwähnung, da es in Trumps Post ebenfalls in den »Farben der Freiheit« der USA erstrahlt, obwohl es sich seit acht Monaten einer brutalen Belagerung widersetzt. Seit Januar hat nur ein einziger Öltanker die Insel angelaufen, und seit geraumer Zeit weigern sich praktisch alle Reedereien, kubanische Gewässer zu befahren, wodurch Hunderte für Kuba bestimmte Container festsitzen. Mit anderen Worten: Die Blockade ist heute eine ebenso harte wie unbestreitbare Realität (auch wenn es Verschwörungstheoretiker gibt, die die gesamte Verantwortung für die Krise der kubanischen Regierung und dem Sozialismus zuschreiben). Trump handelt mit diesem Bestreben ganz im Sinne des imperialen Erbes der USA: Schon viele Präsidenten vor ihm haben den Wunsch geäußert, die Kontrolle über Kuba zu erlangen.
Im Januar, nach der Entführung von Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro, prophezeite Trump den baldigen Zusammenbruch Kubas. Dann sprach er von einer »freundlichen Machtübernahme«, als hätte er innerhalb des kubanischen Systems einen Komplizen oder Strohmann gefunden (wie es ihm auch in anderen Teilen der Welt gelungen war). Doch Kuba bleibt trotz Trumps digitaler Ausbrüche souverän und leistet weiterhin Widerstand. Die sozialistische Insel wird ganz sicher nicht wieder zur Kolonie oder zum Protektorat werden. Das wird nicht in den sozialen Medien verbreitet – den Beweis dafür liefert viel mehr der tägliche Heldenmut des kubanischen Volkes und die vorerst letzten Opfer unserer Geschichte: 32 Märtyrer, die am 3. Januar in einem ungleichen Kampf in Caracas fielen.
→ »No War on Cuba!« Ganztägige Protestwache vom 12. bis 19. September vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin. Infos unter unblock-cuba.org.