Den Weltzuckermarkt kontrollieren
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Fidel Castro hielt 2007 eine Rede über die Geschichte der Beziehungen Kubas zu den USA. Ein Auszug zur Kolonialisierung der Insel durch die Vereinigten Staaten 1901
Die Geschichte Kubas in den letzten 140 Jahren – das sind der Kampf zur Bewahrung der nationalen Identität und Unabhängigkeit sowie die Evolutionsgeschichte des Imperiums der Vereinigten Staaten, sein ständiger Versuch, sich Kubas zu bemächtigen, und die schrecklichen Methoden, die es heutzutage zur Absicherung der Weltherrschaft anwendet. (…)
Die »Doktrin der reifen Frucht« wurde 1823 von John Quincy Adams, Staatssekretär und später Präsident, formuliert. Die Vereinigten Staaten würden sich demnach aufgrund des politischen Schwerkraftgesetzes unvermeidlich unseres Landes bemächtigen, sobald die koloniale Unterordnung unter Spanien aufhören würde. Unter dem Vorwand der Sprengung des Schiffs »Maine« – ein noch zu ergründendes Ereignis, das zur Auslösung des Krieges gegen Spanien genutzt wurde, wie der Vorfall im Golf von Tonkin, ein Ereignis, das nachgewiesenermaßen als Vorwand für den Angriff auf Nordvietnam inszeniert wurde – unterzeichnete Präsident William McKinley die Gemeinsame Resolution vom 20. April 1898, die besagte, »dass das Volk der Insel Kuba frei und unabhängig ist und dies von Rechts wegen sein soll«. (…) Die Gemeinsame Resolution ermächtigte den Präsidenten, Gewalt anzuwenden, um die Beseitigung der spanischen Regierung von Kuba zu erreichen. (…)
Nach der spanischen Niederlage am 10. Dezember 1898 wurde der Pariser Friedensvertrag zwischen den Vertretern der Königin und Regentin von Spanien und denen des Präsidenten der USA unterzeichnet, in dem hinter dem Rücken des kubanischen Volkes vereinbart wurde, dass Spanien vollkommen auf sein Souveränitätsrecht über die Insel, auf das Eigentumsrecht auf das Land verzichtete und die Insel räumen würde. Kuba würde zeitweilig von den Vereinigten Staaten besetzt werden. Nach der Ernennung zum US-amerikanischen Militärgouverneur und Generaloberst erließ Leonard Wood am 25. Juli 1900 den Befehl 301, durch den die Durchführung von allgemeinen Wahlen zu Abgeordneten einer verfassungsgebenden Versammlung verfügt wurde, die am ersten Montag des Novembers 1900 um 12 Uhr mittags in der Stadt Havanna zusammentreten sollte, um eine Verfassung für das Volk von Kuba aufzusetzen und zu verabschieden. (…)
Die Regierung der USA vereinbarte aber mit dem republikanischen Senator von Connecticut, Orville H. Platt, eine Novellierung zum Gesetzentwurf über den Militärhaushalt, welche die Anlage von US-Flottenstützpunkten auf kubanischem Boden praktisch in eine vollendete Tatsache verwandelte. Im Platt-Amendment, das am 27. Februar 1901 vom Senat der Vereinigten Staaten und am 1. März vom Repräsentantenhaus verabschiedet und von Präsident McKinley am darauf folgenden Tag in Kraft gesetzt wurde und das ein Anhang zum »Gesetz, das der Armee Kredite für das Haushaltsjahr erteilt, das am 30. Juni 1902 endet« ist, lautete der Paragraph über die Flottenstützpunkte wie folgt: »Paragraph VII: Um die Vereinigten Staaten in die Lage zu versetzen, die Unabhängigkeit Kubas aufrechtzuerhalten und dessen Volk zu schützen, sowie zur eigenen Verteidigung, wird die Regierung Kubas den Vereinigten Staaten die notwendigen Ländereien für Kohlenbunker bzw. Flottenstützpunkte an bestimmten Orten verkaufen bzw. verpachten, die mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu vereinbaren sind.« (…) Am 12. Juni 1901, bei einer weiteren geheimen Sitzung der Verfassungsgebenden Versammlung, wurde über die Aufnahme des Platt-Amendment als Anhang der Verfassung der Republik abgestimmt, die am 21. Februar verabschiedet worden war: 16 Abgeordnete stimmten mit Ja und elf stimmten dagegen. (…)
Das Schlimmste des Amendments waren die Scheinheiligkeit, der Betrug, der Machiavellismus und der Zynismus, mit denen der Plan ausgearbeitet worden war, um sich Kubas zu bemächtigen, bis zu jenem Äußersten, öffentlich dieselben Argumente zu nutzen wie John Quincy Adams 1823, also den Apfel, der durch seine eigene Schwerkraft fallen werde. (…) Niemand könnte besser beschreiben, was das Platt-Amendment für Kuba bedeutete, als Leonard Wood selbst in zwei Auszügen aus einem vertraulichen Schreiben vom 28. Oktober 1901 an seinen Abenteuerkollegen Theodore Roosevelt: »Natürlich wurde Kuba mit dem Platt-Amendment wenig oder keine Unabhängigkeit belassen und das einzig Angebrachte ist jetzt, die Annexion zu erreichen. Dass wir jedoch gewisse Zeit brauchen und während dieser Zeit, in der Kuba seine eigene Regierung behält, ist sehr zu wünschen, dass es jemanden hat, der es zu seinem Fortschritt und seiner Verbesserung führt. Es kann weder gewisse Abkommen ohne unser Einverständnis abschließen noch Ausleihen über bestimmte Grenzen hinweg aufnehmen und muss die Voraussetzungen einhalten, die ihm vorgeschrieben wurden. (…)«
»Durch die Kontrolle, die sich sicherlich bald in Besitzung verwandelt, werden wir bald praktisch den Welthandel auf dem Zuckermarkt kontrollieren. Die Insel wird sich nach und nach amerikanisieren, und zur angebrachten Zeit werden wir eine der reichsten und am meisten erwünschten Besitzungen haben, die es auf der Welt gibt. (…)«
Fidel Castro: Das Imperium und die unabhängige Insel. Rede vom 14. August 2007. Hier zitiert nach: Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e. V., Ausgewählte Reden von Fidel Castro. fgbrdkuba.de