Offener Brief gegen den Transportstopp nach Kuba durch Hapag-Lloyd und CMA CGM
An
Vorstand + Management HAPAG-LLOYD AG
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe von 2013 bis 2020 mit meiner Familie in Havanna gelebt – und fühle mich dem Land und den Menschen auf der geschundenen Insel weiterhin sehr verbunden.
Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit einigen anderen deutschen, in Kuba lebenden Wissenschaftler:innen und Kulturschaffenden eine Petition gestartet, in der wir die wirtschaftlichen und kulturellen völkerrechtswidrigen Drangsalierungen Kubas durch die US-Regierung anklagen und Bundesregierung sowie EU auffordern, schlichtende Maßnahmen zu ergreifen. Wir sind damals im Auswärtigen Amt, im Berliner EU-Büro und in der US-Botschaft empfangen worden – es gab ein beträchtliches Medien-Echo (z.B. https://www.sueddeutsche.de/politik/kuba-embargo-deutschland-1.4947532)
Unsere Petitions-Gruppe „Havanna-Initiative“ besteht immer noch – und wir haben kürzlich ein weiteres Update zu unserer Petition von 2020 veröffentlicht:
„Trump will, dass Kuba kollabiert. Wir wollen, dass Kuba lebt!“ https://www.change.org/p/bundesregierung-deutschland-mit-europa-f%C3%BCr-ein-ende-der-blockade-gegen-kuba-29c760c8-3908-411f-a914-4a5db0228045/u/34272554.
Wir haben inzwischen mehr als 120.000 Unterschriften für unsere Petition + Updates erhalten.
Anlass dieser email ist nun die Nachricht von vorgestern, dass HAPAG-LLOYD und CMA CGM sämtliche Transporte nach Cuba einstellen will. Das ist angesichts des bereits durch die US-Blockade produzierten Elends auf der Insel ein humanitärer und politischer Skandal!
Angehängt erhalten Sie hier einen von uns verfassten Offenen Protest-Brief. Wir werden dieses Schreiben zeitnah ebenso an verschiedene Presseerzeugnisse senden.
Wir bitten zeitnah um eine Stellungnahme.
Gruß
H.-P. Weymar
Hans-Peter Weymar
Filmproduktion
Rosenhofstr. 1
20357 Hamburg
Offener Brief gegen den Transportstopp nach Kuba durch Hapag-Lloyd und CMA CGM
Gegen extraterritoriale US-Sanktionen und die Verschärfung der humanitären Krise in Kuba
Mit großer Sorge und Empörung nehmen wir zur Kenntnis, dass die internationalen Reedereien Hapag-Lloyd und CMA CGM ihre Transporte von und nach Kuba infolge neuer US-Sanktionsmaßnahmen eingestellt haben. Nach Schätzungen von Brancheninsidern und Informationen aus dem Umfeld der Reedereien sind bis zu 60 Prozent des kubanischen Schiffsverkehrsaufkommens bedroht.
Diese Entscheidung hat weitreichende humanitäre und politische Folgen. Sie trifft nicht in erster Linie Regierungen oder politische Eliten, sondern vor allem die Bevölkerung Kubas, die bereits seit Jahrzehnten unter den Auswirkungen umfassender Wirtschafts- und Finanzsanktionen leidet. Kürzlich drohte US-Präsident Donald Trump sogar mit militärischem Eingreifen gegenüber Kuba. Dass diesem Wahnsinn nun quasi Schützenhilfe durch eine Hamburger Reederei geliefert wird, ist ein politischer und humanitärer Skandal!
Kuba ist in hohem Maße auf Importe angewiesen — insbesondere bei Lebensmitteln, Medikamenten, medizinischer Ausrüstung, Treibstoff und industriellen Vorprodukten. Jede weitere Einschränkung des internationalen Warenverkehrs verschärft die Versorgungskrise und erhöht den Druck auf Millionen Menschen.
Die Aussetzung von Transporten durch europäische Reedereien bedeutet faktisch eine Unterstützung der extraterritorialen Sanktionspolitik der Vereinigten Staaten. Diese Politik zielt darauf ab, Kuba wirtschaftlich zu isolieren und unter maximalen Druck zu setzen. Ihre Folgen sind seit Jahren dokumentiert: Versorgungsengpässe, steigende Armut, Mangelwirtschaft und soziale Unsicherheit.
Wirtschaftssanktionen, die ganze Bevölkerungen treffen, dürfen nicht durch private Unternehmen verschärft werden. Internationale Handels- und Logistikunternehmen tragen gesellschaftliche Verantwortung. Sie sind nicht bloß neutrale Akteure, sondern treffen Entscheidungen mit unmittelbaren Auswirkungen auf das Leben von Millionen Menschen.
Um sich nicht zum Büttel der menschenverachtenden US-Politik zu machen, fordern wir deshalb Hapag-Lloyd auf, den Transportstopp nach Kuba sofort zurückzunehmen.