Sozialistische Solidarität
Carlos Martinez
Die VR China schenkt Kuba Photovoltaikanlagen, damit sich das Land von der Öl-Abhängigkeit befreien kann. (Foto: Alejandro Azcuy Domínguez)
Wenn in Havanna die Lichter ausgehen – wie es in den schlimmsten Monaten der aktuellen Energiekrise Kubas bis zu 20 Stunden am Tag der Fall war –, sind die Ursachen nicht schwer zu erkennen. Die seit 1962 bestehende Wirtschaftsblockade der Vereinigten Staaten, die von verschiedenen US-Regierungen immer weiter systematisch verschärft wurde, hat Kuba schätzungsweise 160 Milliarden Dollar gekostet (2 Billionen Dollar zu heutigen Preisen, was etwa dem jährlichen BIP Kubas von 20 Jahren entspricht).
Die jüngste Eskalation dieser grausamen und illegalen Blockade besteht aus einem umfassenden Energieembargo, mit dem die USA versuchen, Kubas Zugang zu Öl vollständig zu unterbinden. Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vor drei Monaten führte zum Wegfall von Kubas mit Abstand wichtigstem Energielieferanten. Trumps Drohungen mit Zöllen zwangen zudem Mexiko, Notfall-Öllieferungen einzustellen. Die Folge sind Stromausfälle, Treibstoffknappheit und schwerwiegende Beeinträchtigungen des täglichen Lebens auf der gesamten Insel. Das Trump-Regime folgt dem Kissinger-Drehbuch, die Wirtschaft „zum Schreien zu bringen“, um einen Regimewechsel zu erzwingen.
Das Leben der Menschen wird zweifellos erschwert. Wie ein kubanischer Friseur im Februar gegenüber der Aktivistin Medea Benjamin von „CodePink“ sagte: „Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr dies jeden Bereich des Alltagslebens betrifft. Ohne Benzin fahren keine Busse, sodass wir nicht zur Arbeit kommen können. Wir haben nur drei bis sechs Stunden am Tag Strom. Es gibt kein Gas zum Kochen, also kochen wir in unseren Wohnungen mit Holz und Holzkohle. Es ist wie vor 100 Jahren.“
Dankenswerterweise legte Ende März ein russischer Tanker mit schätzungsweise 730.000 Barrel Rohöl in Havanna an und verschaffte damit dringend benötigte Abhilfe. Doch Kubas Lage bei den Energieimporten ist weiterhin äußerst prekär und ungewiss.
Die Reaktion des kubanischen Volkes war, sich umzustellen. Im Zentrum dieser Umstellung steht ein bemerkenswertes Programm zur Entwicklung von Sonnenenergie, das von einer der bedeutendsten internationalen Solidaritätsaktionen in der Geschichte des globalen ökologischen Wandels vorangetrieben wird. Chinas Unterstützung für das kubanische Programm für erneuerbare Energien hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Der Wert der chinesischen Exporte von Solaranlagen nach Kuba stieg von 5 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 auf 117 Millionen US-Dollar im Jahr 2025.
Am 6. April berichtete die „Financial Times“: „Dank chinesischer Technologie verfügt die Karibikinsel über 34 in Betrieb befindliche Solarparks mit einer Leistung von fast 1,2 Gigawatt, was einer Steigerung von 350 Prozent gegenüber 2024 entspricht, sodass Kuba seinen Anteil an der Stromerzeugung aus Sonnenenergie bis Ende letzten Jahres mehr als vervierfachen konnte.“
Peking hat zugesagt, bis 2028 92 Solarparks mit einer Gesamtleistung von etwa 2 Gigawatt in Kuba zu errichten – was der gesamten derzeitigen Stromerzeugungskapazität Kubas aus fossilen Brennstoffen entspricht. Die bereits ans Netz angeschlossenen Solarparks liefern ein Gigawatt. Dadurch ist der Anteil von Sonnenenergie an der gesamten Stromerzeugung in Kuba von 5,8 Prozent vor einem Jahr auf heute über 20 Prozent gestiegen.
Kuba hat sich offiziell zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 24 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen; bis 2035 sollen es 40 Prozent und bis 2050 100 Prozent sein. Beim derzeitigen Ausbautempo scheint das Ziel für 2030 durchaus in Reichweite zu sein – und könnte sogar deutlich früher übertroffen werden. Die Batteriespeicher – derzeit nur in vier von Kubas 55 Solarparks vorhanden – müssen erheblich ausgebaut werden, um den abendlichen Spitzenbedarf zu decken. Auch Windenergie wird einen wachsenden Beitrag leisten, denn derzeit befinden sich 19 Windparks mit einer Gesamtleistung von 415 Megawatt im Bau, ebenfalls mit chinesischer Unterstützung.
Das Tempo des Ausbaus der Sonnenenergie ist gemessen an der Situation Kubas vor nur wenigen Monaten bereits außergewöhnlich. Die Unterstützung aus China wird auf allen Ebenen geleistet und beschränkt sich nicht auf groß angelegte Infrastrukturprojekte. Peking hat zudem 10.000 Photovoltaikanlagen für den Einsatz in abgelegenen ländlichen Haushalten und kritischen Einrichtungen – darunter Entbindungsstationen und Kliniken – gespendet, um sicherzustellen, dass medizinische Geräte auch bei Stromausfällen weiter funktionieren und Medikamente gekühlt werden können.
Weitere 5.000 kleine Solarstrom-Anlagen wurden in Gesundheitszentren in 168 Gemeinden installiert. Diese Anlagen bestehen aus einem Solarmodul, einem Wechselrichter und einem Batteriespeicher. Der Leiter der kubanischen Stromversorgung Unión Eléctrica bezeichnete diese Systeme auf Haushaltsebene als bahnbrechend: Sie ermöglichen es Familien, einen Kühlschrank, einen Ventilator und einen Fernseher zu betreiben. Dadurch tragen sie wesentlich dazu bei, die durch Energiearmut verursachte Landflucht zu verringern. Darüber hinaus genehmigte Präsident Xi Jinping im Januar 2026 persönlich eine finanzielle Soforthilfe in Höhe von 80 Millionen US-Dollar für elektrische Anlagen sowie eine Spende von 60.000 Tonnen Reis als Nothilfe für Kuba.
China engagiert sich seit vielen Jahren im kubanischen Energiesektor. Seit 2018 liefert das Land Windkraftanlagen, seit 2005 stellt es Elektrobusse des Herstellers Yutong bereit und unterstützt im Rahmen des Programms „Vehículos Eléctricos del Caribe“ (VEDCA) die Montage chinesischer Elektroautos, -roller und -fahrräder in Kuba. Im Jahr 2021 trat Kuba der „Belt-and-Road-Energiepartnerschaft“ bei, Chinas internationalem Programm für Investitionen in saubere Energie.
Der chinesische Botschafter in Kuba, Hua Xin, erklärte bei der Übergabezeremonie für eine kürzlich fertiggestellte Tranche von Solarparks, China stehe Kuba „unter allen Umständen fest zur Seite“. Der kubanische Energieminister Vicente de la O Levy sagte, die Zusammenarbeit zwischen den beiden sozialistischen Ländern stelle „ein gemeinsames Bekenntnis zur Energiesouveränität“ dar.
Was sich derzeit in Kuba abzeichnet, ist ein ganz konkretes Beispiel dafür, wie Süd-Süd-Zusammenarbeit und sozialistische Solidarität in der Praxis aussehen: China stellt einem belagerten Land Technologie, Finanzmittel, Fachwissen, Ausbildungsmöglichkeiten und humanitäre Hilfe zur Verfügung – ohne Auflagen, ohne Forderungen nach „Strukturanpassungen“ und ohne die Forderung nach Marktzugang. Hugo Chávez hatte die florierenden Beziehungen zwischen dem progressiven Lateinamerika und China einmal als „Große Mauer gegen das Hegemoniestreben der USA“ bezeichnet. Kubas Sonnenenergierevolution ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie diese Mauer in der Praxis funktioniert.
Carlos Martinez, Morning Star
Übersetzung und Bearbeitung: UZ
Der Autor ist Mitherausgeber der Plattform „Friends of Socialist China“