US-Militäroperationen in Lateinamerika sorgen für Spannungen
Washington/Panama-Stadt. Vertreter der US-Regierung haben erklärt, dass die jüngsten militärischen Operationen gegen kriminelle Organisationen in Lateinamerika in den kommenden Monaten ausgeweitet werden könnten. Die Maßnahmen sind Teil einer umfassenderen regionalen Sicherheitsstrategie Washingtons.
Joseph Humire, kommissarischer stellvertretender Verteidigungsminister für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre, erklärte vor dem Streitkräfteausschuss des US-Repräsentantenhauses, die Angriffe gegen Kartelle in der Region seien „erst der Anfang“ einer breiter angelegten Kampagne gegen transnationale kriminelle Organisationen. Der Beamte erklärte zudem, dass die Vereinigten Staaten militärische Operationen Ecuadors gegen kriminelle Gruppen in der Grenzregion zu Kolumbien unterstützen. Diese Offensive umfasse laut seinen Angaben auch gemeinsame Maßnahmen mit logistischer und operativer Unterstützung aus den USA.
Am 6. März 2026 führte Ecuador mit Unterstützung der USA in der Region Lago Agrio in der Provinz Sucumbíos einen Bombenangriff durch (amerika21 berichtete). Nach einem am Dienstag in der New York Times veröffentlichten Artikel traf dieser Angriff allerdings kein Drogencamp, sondern einen zivilen landwirtschaftlichen Betrieb (amerika21 berichtete). Nach dem Einschlag wurde auf kolumbianischem Territorium ein nicht detonierter Sprengkörper gefunden. Das ecuadorianische Verteidigungsministerium bestätigte, dass das Projektil in die Grenzregion auf kolumbianischer Seite gefallen war (amerika21 berichtete).
Parallel dazu hat Washington seine Marinepräsenz in der Region deutlich verstärkt. Zwei US-Kriegsschiffe, der Flugzeugträger USS Nimitz und der Zerstörer USS Gridley, sollen Ende März im Rahmen eines operativen Einsatzes in der westlichen Hemisphäre einen Zwischenstopp in Panama einlegen.
Die Schiffe liefen am 12. März von der US-Westküste aus und werden den Panamakanal durchqueren, bevor sie ihre Route in Richtung Atlantik fortsetzen. Die USS Nimitz ist 333 Meter lang, kann bis zu 90 Flugzeuge und Hubschrauber transportieren und verfügt über eine Besatzung von mehreren tausend Personen. Der Zerstörer USS Gridley ergänzt die Kampfgruppe mit moderner Bewaffnungs- und Überwachungstechnologie. Die Anwesenheit dieser beiden großen Kriegsschiffe stellt einen der sichtbarsten Marineeinsätze der USA in der Region in den vergangenen Monaten dar und ist Teil eines Einsatzplans, der auch Patrouillen im Karibischen Meer und im östlichen Pazifik umfasst.
Nach Angaben panamaischer Behörden, die von lokalen Medien zitiert wurden, handelt es sich bei dem Besuch der Schiffe um einen logistischen Zwischenstopp im Rahmen regulärer Marineoperationen der USA. Es sei keine Mission, die offiziell mit aktuellen Konflikten in der Region verbunden sei.
Die jüngsten Operationen und militärischen Bewegungen sind Teil der umfassenden US-amerikanischen Aktivitäten in Lateinamerika. Dazu gehören Marinepatrouillen, sicherheitspolitische Kooperation mit verbündeten Regierungen sowie Maßnahmen gegen transnationale kriminelle Netzwerke.
Diese Entwicklungen wurden in mehreren lateinamerikanischen Ländern mit Sorge beobachtet. Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva warnte wiederholt vor einer weiteren Militarisierung der Sicherheitsstrategie in der Region und kritisierte in diesem Zusammenhang auch Versuche externer Mächte, Lateinamerika erneut in geopolitische Einflusszonen zu drängen. Bei einem internationalen Treffen der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) erklärte Lula, man dürfe nicht zulassen, dass die Region „wieder kolonisiert“ werde.