Gesundheitssektor in Kuba in großer Not durch Embargo der USA
Havanna. Der kubanische Gesundheitsminister Dr. Angel Portal Miranda hat am Montag in einem Artikel in der mexikanischen Zeitung El Heraldo auf die prekäre Lage im Gesundheitswesen in Kuba hingewiesen. Ursache der Krise seien die Verschärfung des US-Embargos und die totale Blockade von Erdöl für das Land.
Dr. Portal nannte konkrete Zahlen. Demnach stehen derzeit 96.387 Patienten, darunter 11.193 Kinder, auf der Warteliste für Operationen. Diese Zahlen werden wegen zunehmender Energieknappheit weiter steigen, zumal Behandlungen von Tumoren und andere lebenswichtige Eingriffe vorrangig durchzuführen seien. Bei der Mutter-Kind-Versorgung steht die Nachsorge von 32.000 schwangeren Frauen mit diagnostischen Ultraschalluntersuchungen an (amerika21 berichtete). Auch hat die Unterbrechung des Kühltransports aufgrund von Treibstoffmangel dazu geführt, dass mehr als 30.000 Kinder ihre fälligen Impfungen nicht rechtzeitig erhalten haben. Hinzu käme, dass die Versorgung von 16.000 Patienten in der Strahlentherapie und weiteren 2.888 Patienten, die auf Hämodialysebehandlungen angewiesen sind, mangels Energieversorgung kaum mehr gewährleistet werden könne.
Dr. Portal konstatiert: „Trotz dieser und anderer Herausforderungen, denen sich das nationale Gesundheitssystem gegenübersieht, ist sein Betrieb nicht zusammengebrochen. Die Antwort darauf war nicht Lähmung, sondern eine strategische Umstrukturierung auf der Grundlage von Resilienz und Ressourcenoptimierung.“ So erspart der Einsatz von Telemedizin die Transporte von Personal, und dazu meint er: „Diese Reaktionsfähigkeit beruht im Wesentlichen auf der Selbstlosigkeit, der Ethik, dem Engagement und der Professionalität des kubanischen Humankapitals, das nicht isoliert von der Realität des Landes lebt.“ Das Ansehen der kubanischen Medizin sei immer durch Humanismus und Pflichtbewusstsein geprägt gewesen, nicht nur in Kuba selbst, „sondern auch in den 165 Ländern, in denen kubanische Mediziner und Pflegepersonal im Gesundheitswesen seit Jahrzehnten Dienstleistungen erbringen oder erbracht haben.“
Auch das British Medical Journal (BMJ) hat Ende Februar geschrieben: „Medizinisches Fachpersonal berichtet, dass Krankenhäuser nicht in der Lage sind, ihre Beleuchtung aufrechtzuerhalten, und Ärzte keine grundlegenden Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen oder Ultraschalluntersuchungen durchführen können.“ Und ohne Treibstoff können Krankenwagen nicht fahren und medizinisches Fachpersonal nicht ihre Arbeitsorte erreichen.
Abschließend schreibt der kubanische Gesundheitsminister, dass Kuba weiterhin alle möglichen Maßnahmen ergreifen werde, um seine Bevölkerung zu schützen, „die derzeit wie nie zuvor unter den Folgen der grausamen Politik der Erstickung durch die USA leidet. Angesichts dieser Realität bleibt unsere Bitte an die internationale Gemeinschaft bestehen, ihre Solidarität zu zeigen, um der realen und objektiven Dimension einer kriminellen Blockade entgegenzutreten, die das Leben selbst bedroht.“
In jüngster Zeit haben die Hilfsmaßnahmen auch aus europäischen Ländern für Kuba weiter zugenommen, wie beispielsweise die jüngsten Programme von mediCuba-Europa zeigen.
Kuba hatte nach der Revolution ein hoch entwickeltes und kostenloses Gesundheitssystem geschaffen. In den letzten Jahren konnte Kuba die Covid-19-Pandemie mit selbstproduzierten Impfstoffen besser als andere Staaten überstehen, und die alljährlichen Wirbelstürme sowie die jüngsten Infektionskrankheiten konnten auch vor dem Hintergrund der US-Sanktionen und Subversionen gemeistert werden. Die Verschärfung der US-Embargos belastete das Gesundheitssystem in den vergangenen Jahren aber auch schon vor der totalen Blockade der Erdölversorgung.
