Insel des Widerstands
Diese Drohung richtete sich etwa gegen Mexiko als nunmehr größten Öllieferanten Kubas. Der wichtigste Handelspartner der USA ist zwar extrem abhängig vom US-Markt, eine Abhängigkeit besteht aber auch umgekehrt bei Lieferketten – etwa in der Automobilindustrie. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum hat vorerst die Lieferung eines neuen Hilfspakets für Kuba angekündigt und deutlich gemacht, alles, was mit der Lieferung von Öl zu tun hat, werde auf diplomatischem Wege geklärt. Sheinbaum dürfte bewusst sein, dass ein Einknicken vor dem Diktat aus Washington bedeuten würde, einen neokolonialen Status auch für das eigene Land zu akzeptieren.
Trump behauptet, seine Regierung verhandele bereits mit »höchsten Vertretern« in Havanna über ein Abkommen. Unklar ist allerdings, worüber überhaupt verhandelt werden kann. Anders als im Falle des von einer US-Kriegsflotte bedrohten Iran, mit dem Trump einen »Deal« bezüglich der iranischen Atom- und Raketenprogramme erzwingen will, stehen im Falle Kubas keine konkreten verhandelbaren Forderungen im Raum.
Wenn Trump Kuba zur »außerordentlichen Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA« erklärt, dann ist es die Existenz der sozialistischen Republik an sich, an der er sich stört. Denn wie könnte Washington ernsthaft an einen dort offenbar für unausweichlich gehaltenen großen Krieg mit dem strategischen Rivalen China denken, wenn es in sechs Jahrzehnten nicht gelungen ist, eine kleine rebellische Insel vor der eigenen Haustür in die Knie zu zwingen?
Das kubanische Volk verteidigt daher heute wesentlich mehr als seine Würde und seine sozialistischen Errungenschaften. Dafür gebührt ihm jede Solidarität.