USA greifen weiter Kubas Medizinbrigaden an
Die Henry-Reeve-Brigaden lindern in aller Welt Leid – die USA wollen das beenden. (Foto: @CubaGambia)
Auf der Sitzung der UNO-Generalversammlung zum Thema „Globale Gesundheit und Außenpolitik” am 25. August sprach der kubanische Botschafter Yuri Gala López. Kubas höchster Vertreter bei der UNO sagte unter anderem: „Wir haben dazu beigetragen, zehntausende Ärzte aus verschiedenen Ländern des Globalen Südens auszubilden.” Er verurteilte, dass die USA Kuba auf ihre Liste von Staaten gesetzt hatten, die Terrorismus unterstützen, und sprach dann „die verleumderische Kampagne der USA gegen unser Gesundheitswesen” an.
„Egoismus muss aus den internationalen Beziehungen verbannt werden und einseitige Zwangsmaßnahmen, die sich negativ auf das Recht auf Gesundheit auswirken, müssen beseitigt werden”, betonte er. Mit diesen allgemein gehaltenen Aussagen ließ er die unmenschliche, grausame und zynische Natur einer neuen Form der US-Angriffe auf Kuba jedoch unerwähnt. Die USA prangern Kuba dafür an, der ganzen Welt Gesundheitsversorgung zu bringen und internationale Solidarität zu praktizieren.
Eine Petition des „Bay Area Cuba Solidarity Network“ und der „U. S.-Cuba Normalization Conference Coalition“ fordert nun ein Ende der derzeitigen Angriffe auf Kubas medizinische Missionen. Sie richtet sich an die US-Regierung und fordert, die „Verleumdungskampagne der USA gegen Kubas medizinische Brigaden“ zu beenden sowie die Visabeschränkungen für Länder aufzuheben, die Verträge mit den Brigaden für dringend benötigte Gesundheitsdienste abgeschlossen haben. Die Petition mit allen Unterschriften soll den gewählten Vertretern der US-Regierung sowie den Delegationen der Länder in der UNO-Generalversammlung übergeben werden.
Die kubanische Revolution hat sich seit der Zeit des kubanischen Nationalhelden José Martí (1853 – 1895) überall für die Anliegen unterdrückter Völker eingesetzt. Mit dem Sieg der Revolution im Jahr 1959 wurde eine angemessene Gesundheitsversorgung zu einem vorrangigen Ziel – und das nicht nur für Kubanerinnen und Kubaner.
Im Oktober 1962 erklärte Fidel Castro: „Mit Blick auf die Zukunft … ist die endgültige Lösung die Ausbildung einer großen Zahl von Ärzten. Und die Revolution hat heute die Kraft … einen Plan für die Ausbildung der notwendigen Anzahl von Ärzten zu beginnen – nicht nur viele, sondern vor allem auch gute Ärzte brauchen wir; und nicht nur gute Ärzte, sondern auch gute Menschen – Männer und Frauen –, Patrioten und Revolutionäre!“
Bis 2022 hatte Kuba 605.698 Gesundheitsfachkräfte aller Art in 165 Länder entsandt.
Am 17. Februar verkündete die Regierung der USA, dass „aktuelle oder ehemalige kubanische Regierungsbeamte und andere Personen, darunter ausländische Regierungsbeamte … (und) deren unmittelbaren Familienangehörigen“ kein Visum mehr für Reisen in die USA erhalten werden. Diese Maßnahme richte sich „gegen Zwangsarbeit im Zusammenhang mit dem kubanischen Arbeitskräfte-Exportprogramm im Rahmen der medizinischen Missionen Kubas im Ausland“. Sie gilt für Beamte verschiedener Länder, die die Einreise kubanischer Ärzte und anderer medizinischer Fachkräfte organisieren.
US-Außenminister Marco Rubio kündigte am 3. Juni Visabeschränkungen für namentlich nicht genannte Beamte aus Honduras, Nicaragua, Guatemala und El Salvador an, die in irgendeiner Weise mit den kubanischen Ärzten in Verbindung stehen. Am 13. August gab das US-Außenministerium schließlich bekannt, dass auch Beamte aus Brasilien, Grenada und mehreren afrikanischen Ländern kein Visum mehr erhalten würden.
Die US-Regierung erklärte, diese neue Politik sei eine Reaktion auf die Ausbeutung kubanischer Gesundheitsfachkräfte durch die kubanische Regierung, die sie als „Menschenhandel“ darstellt. Dabei haben die USA selbst eine lange Geschichte von Aktionen zur Unterdrückung von bereits zuvor marginalisierten und bedürftigen Bevölkerungsgruppen im In- und Ausland.
Die im Ausland tätigen kubanischen Ärzte und Krankenschwestern erhalten von den Gastregierungen ein Stipendium, das ihre Lebenshaltungskosten deckt. Ihre Familien in Kuba erhalten ihr reguläres Gehalt sowie eine Zulage für den Auslandseinsatz.
Der erfundene Vorwurf der „Zwangsarbeit“ dient den USA dazu, ihre Wirtschaftsblockade gegen Kuba weiter zu verschärfen. Die medizinischen Missionen sind anfällig für Sanktionen, da sie Einnahmen für die kubanische Regierung generieren, die Zielscheibe des Zorns der USA ist. Im Jahr 2018 beispielsweise beliefen sich die Einkünfte für Kuba auf 6,4 Milliarden US-Dollar.
Kuba verwendet die Mittel aus den medizinischen Missionen, um das eigene Gesundheitswesen zu finanzieren. Der Angriff der USA auf die medizinischen Missionen ist nicht neu: Zwischen 2006 und 2017 bot die US-Regierung den kubanischen Ärztinnen und Ärzten Anreize, ihren Posten zu verlassen und in die USA zu ziehen. Weniger als 2 Prozent folgten diesem Ruf.
Es gibt einige bemerkenswerte Beispiele für Länder, die für medizinische Dienstleistungen unter kubanischer Schirmherrschaft bezahlen: Brasilien, wo während der Präsidentschaft von Dilma Rousseff etwa 8.500 kubanische Gesundheitsfachkräfte tätig waren; Italien, wo derzeit 370 Kubaner in Kalabrien arbeiten; Mexiko, das im Jahr 2024 weitere 3.100 kubanische Ärzte aufgenommen hat; Frankreich, das sich um die medizinische Versorgung seiner Kolonie Martinique sorgt; Saudi-Arabien, wo seit 2014 600 kubanische Ärzte arbeiten, und Katar, das während der Covid-Pandemie 52 Ärzte und 292 Krankenschwestern aus Kuba beschäftigt hat.
Die medizinischen Missionen bringen der kubanischen Regierung zwar Einnahmen, verursachen aber auch Kosten. Die Wissenschaftlerin Helen Yaffee hat darauf hingewiesen, dass 27 der 62 Länder, die im Jahr 2017 kubanische Ärzte aufgenommen haben, nichts für die von den Kubanern erbrachten Leistungen bezahlt haben.
Kubas medizinischer Internationalismus hat heroische Ausmaße: Von 2014 bis 2016 bekämpften kubanische Gesundheitsfachkräfte die tödliche Ebola-Epidemie in Westafrika. Mindestens 42 Länder luden die Kubaner zur Behandlung von Covid-Patienten ein. Nach dem verheerenden Erdbeben im Winter 2005 in den Bergen Pakistans retteten die Kubaner dort vielen Menschen das Leben. Nach dem großen Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 versorgten sie dort die Betroffenen.
Kubanische Brigaden von Rettungshelfern sind rund um die Welt im Einsatz, um das Leid zu lindern, das durch Epidemien, Überschwemmungen, Sturmkatastrophen und Erdbeben verursacht wurde. Seit 2005 waren 13.467 von ihnen in 56 Ländern im Einsatz.
Hernando Calvo Ospina, ein kolumbianischer Journalist, der in Frankreich lebt, hat kürzlich die skandalösen Maßnahmen der USA gegen die medizinischen Missionen Kubas kommentiert und festgestellt: „Wohin die USA und Europa Soldaten schicken, dorthin entsendet Kuba Ärzte.“ Außerdem ist es „bis heute keiner Regierung, keiner privaten Einrichtung und keiner internationalen Organisation gelungen, ein weltweites medizinisches Programm aufzubauen, das Menschen in Not so effektiv und in so großem Umfang hilft wie Kuba.“
Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: UZ
Die Petition kann hier unterschrieben werden.