Die Vorsitzende der FBK zum Geburtstag von Fidel
Gedenkprogramm zu Fidels 100. Geburtstag Jutta Kausch-Henken
1978 war ich zum ersten Mal in Kuba. Als Vertreterin unseres Theaters TIK Theater in Kreuzberg durfte ich an den 11. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Havanna teilnehmen. Es war der Beginn einer neuen Zeitrechnung für mich, eine Zäsur in meinem Leben: die Zeit vor Kuba und nach Kuba. Ich war schwer beeindruckt von dieser kleinen, trotzigen, einfallsreichen heißen Insel.
Es waren Begegnungen mit einzelnen Menschen und der Blick in die Kinderaugen, die mich bewegten. Es war so etwas wie Liebe. Und Sehnsucht. Es war das Gefühl, an etwas teilzuhaben, was wirklich menschlich ist. Ich schrieb damals in mein Tagebuch: Der neue Mensch, von dem so oft gesprochen wird, der die Welt tatsächlich verändern kann zum Guten, hier hat er eine Chance, sich zu entwickeln. Ich erlebte eine Werteverschiebung: ein armes Land gab von dem Wenigen, was es besaß, in Hülle und Fülle ab.
Zwei Jahre später nahm ich an der Brigada José Martí teil. Mein Eindruck verfestigte sich. 1982 dann war ich mit der ersten Arbeitsbrigade Westberlins in Nicaragua. Und traf wieder auf Kubanerinnen und Kubaner, die dort eine Alphabetisierungskampagne durchführten. Sie wohnten auf derselben Finca wie wir, hatten gerade Ferien. Anstatt nach Hause zu fahren, halfen sie nun bei der Baumwollernte. Und sie kümmerten sich um uns, die wir mit viel Enthusiasmus, aber ohne jegliche Erfahrung und Begabung Baumwolle pflücken wollten. Internationale Solidarität bekam ein Gesicht.
Mein Blick auf Kuba half mir, zu Hause politisch zu arbeiten, an meinen Idealen festzuhalten, daran zu glauben, dass eine andere Welt möglich ist.
Seitdem bin ich aktiv in der Solidaritätsbewegung und kämpfe für den Frieden, der mehr denn je in Gefahr ist.
Seit 1978 bin ich aktiv in der Freundschaftsgesellschaft Berlin-Kuba und seit vielen Jahren die Vorsitzende.
Ich durfte Fidel zweimal als Redner auf dem Platz der Revolution erleben. Einmal durfte ich auf der Tribüne sitzen, einmal stand ich inmitten der Menge auf dem Platz. Die Menschen hörten ihm zu, wirklich zu. Fidel hielt keine Reden, nein, er sprach mit ihnen. Ein Moment ist für immer in meinem Gedächtnis geblieben: Während Fidel sprach, gab es eine Frage aus dem Millionenpublikum. Fidel bekam das mit. Er hielt inne und bat, ihm die Frage zu übermitteln. So wurde sie über den Platz weitergegeben, bis sie an der Tribüne ankam und Fidel sie beantwortete.
Seit diesem für mich unvergesslichen Erlebnis sind über 40 Jahre vergangen, Fidel, bis zuletzt einer, der zuhörte und offen dafür war, Fehler zuzugeben, aber niemals den Sozialismus zu verraten, hat nicht nur seinen Landsleuten Hoffnung gegeben, dass es möglich ist, für eine bessere Welt zu kämpfen, sondern weit über die Grenzen Kubas hinaus Menschen inspiriert.
Seit 65 Jahren versuchen die USA mit allen Mitteln, die eine brutale allumfassende Blockade einschließlich der Listung Kubas als terrorunterstützendem Staat beinhaltet, diese wunderbare trotzige Insel in die Knie zu zwingen.
Kuba muss die Kraft behalten und allen beweisen, dass die letzten 65 Jahre in Kuba mehr waren als der langanhaltende Traum eines großen Revolutionärs.
„Selbst wenn wir gehen, dich nicht mehr sehen,
gib uns doch deine Kraft deine Freundlichkeit,
neuen Mut für lange Zeit!“ schrieb Hannes Wader, ich schließe mich dem an.