Grüsse aus Miami – Ein Brief aus der Schweiz
Sehr geehrter Herr Gurk
es muss wieder einmal gesagt sein: Sie beeindrucken mit ihrer Rhetorik.
Allerdings können Sie informierte Leserinnen und Leser mit dem Rycling transatlantisch verbreiteter Desinformation nicht mehr aufs Boot der sogenannten „westlichen Wertegemeinschaft“ zurückholen. Dieses auffällige Bashing der Staaten, die sich um mehr soziale Gerechtigkeit bemühen, gurkt richtiggehend an.
Gerne weise ich auf einen Artikel hin, wie man – als Gegenstück zu Ihrem Artikel – korrekt berichten könnte:
Kubanischer Baseball unter Beschuss: Den Aggressor bejubeln, dem Opfer die Schuld geben
Viele kubanische Baseballer spielen in anderen Ländern. Zum Beispiel in der japanischen Profiliga (1). Es gibt kein Gesetz, das ihnen dies verbietet (2).
Es sei denn, das Land ist… die USA. Und das Gesetz ist nicht kubanisch, sondern US-amerikanisch. Dort müssen sie folgende Bedingungen erfüllen: Sie dürfen weder einen Wohnsitz in Kuba haben noch einen einzigen Dollar an Steuern zahlen, sie müssen jede Beziehung zum kubanischen Baseballverband und seiner Nationalmannschaft aufgeben und bestätigen, dass sie nicht der Kommunistischen Partei angehören (3). Und so werden sie sehr wohl im Land der Freiheit willkommen sein.
Aber liest man in der internationalen Presse, z.B. in der Sportpresse, feurige Anklagen gegen eine solche Politisierung des Sports? Nicht ein einziges Mal.
Vor einigen Tagen verließ eine Gruppe kubanischer U-23-Spieler ihre Nationalmannschaft mit dem Ziel, in den USA zu spielen. Um dies zu tun, waren sie bereit, alle oben genannten Bedingungen zu erfüllen (4).
Und wie erklärt uns dies die Mainstream-Presse? Indem sie sagt, dass diese Sportler in Wahrheit „vor dem kommunistischen Regime geflohen“ seien. Und dass ihre „Flucht“ „eine Blamage für Havanna“ (5), „ein weiterer Schlag für die Diktatur“, „eine weitere Ohrfeige für die kommunistische Demagogie“ (6) sei.
Die Wahrheit ist, dass es diese Lüge, diese ganze „Show“ nicht gäbe und diese Sportler heute in den USA spielen könnten, wenn die Mafia von Miami Donald Trump nicht dazu gedrängt hätte, das historische, von Barack Obama genehmigte Abkommen zwischen der US Major League Baseball und dem kubanischen Baseballverband aufzuheben (7). Ein Abkommen, das die Regierung von Joe Biden immer noch nicht reaktiviert hat und das diesen theatralischen „Fluchten“ in die „Freiheit“ ein Ende setzen würde.
Eine Vereinbarung, nach der Kuba 10 % des Betrags der Ablösesummen erhalten hätte, um Stadien zu reparieren, Bälle und Schläger zu kaufen und seine hervorragenden Sporttalente weiter auszubilden (8) (9).
Unannehmbare 10 % für diejenigen, die Tag und Nacht daran arbeiten, dem kubanischen Volk neuen Mangel und neues Leid zu bereiten. Sie zählen dabei auf die Zusammenarbeit mit feigen Medien und Journalisten, die damit beschäftigt sind, ihre Lügen zu vertuschen und ihre Verbrechen zu befeuern.
Herr Gurk, wie wäre es, eigene, berufsethisch saubere Recherchen anzustellen anstatt anti-kubanische Propaganda aus Miami zu verwursten und die immergleichen bösartigen Clichés zu verwenden?
Gerne erinnere ich auch Sie an die 1960 (!) von den USA selber formulierte Zielsetzung ihrer völkerrechtswidrigen Blockade, die Sie geflissentlich der Leserschaft vorenthalten: «…durch wirtschaftliche Unzufriedenheit und Not das Wirtschaftsleben schwächen, indem Kuba Geld und Lieferungen verwehrt werden, mit dem Ziel, die Nominal- und Reallöhne zu reduzieren, Hunger, Verzweiflung und den Sturz der Regierung zu bewirken».
Mit freundlichen Grüssen
Samuel Wanitsch
Rentner
Basel (nahe dem Einflussbereich der Süddeutschen Zeitung…)